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Finanzsystem

Ein alter Artikel vom 6.10.2008

Nachdem ich im Jahr 2000 an der Börse mein Glück versucht hatte und am Ende mit einem satten Minus dastand, ist es mit meinem Vertrauen in Finanzberater nicht zum Besten bestellt. Von einem Banker weiß ich, dass er seit Jahren seinen Kunden auch Mist verkaufen muss, damit die Planvorgaben erfüllt werden – und er auf der Abschussliste nicht zu weit oben ist. Das macht ihm zwar keinen Spaß und nagt an seinem Gewissen, wird aber gut bezahlt.
Mein „unabhängiger Finanzberater“ muss auch leben und sah noch im Januar diesen Jahres kein Grund zu wirklicher Sorge. Ich dagegen schon, denn historisch gesehen, kann dieses System nicht endlos funktionieren. Es ist nicht die Frage, ob es kollabiert, sondern wann.  Eine sehr anschauliche Einführung in das Thema Geld und Kredit habe ich bei Raimund Brichta gefunden. Es ist schon seltsam, dass all die vielen, gut bezahlten Experten das nicht sehen konnten oder sehen wollten oder so lange etwas anderes erzählt haben, bis sie ihr eigenes Schäfchen ins Trockene gebracht haben. Vielleicht waren auch die sog. inneren Systemzwänge zu groß. Wie würde man auch auf einen offiziellen Finanzexperten z.B. bei einer Bank oder im Finanzministerium reagieren, der klar und deutlich sagt, dass es so nicht ewig weitergehen kann. Wahrscheinlich würde er mit dieser Argumentation nicht einmal bis zu einer Position gelangen, wo jemand ihm überhaupt zuhört. Daraus entsteht „wie von selbst“ ein Expertenkonsens (mit leichten Unterschieden in den technischen Details), niemals jedoch eine kritische Diskussion um die Grundlagen.

  • Wozu brauchen wir das Geldsystem und wer soll bzw. darf Geld in Umlauf bringen?
  • Sind Zinsen notwendig und wenn ja, wofür und wofür nicht? Woher soll das Geld für die Zinszahlungen kommen?
  • Bei wem wollen wir uns (wenn überhaupt) als Staat verschulden und wie können wir wirksam eine Einflussnahme der Gläubiger auf politische Entscheidungen unterbinden?
  • Wollen wir eine Gesellschaft mit ständigem (Wirtschafts-)Wachstum und wofür?
  • Wollen wir akzeptieren, dass Konsumieren der Sinn des Lebens ist?

Wir sind in einer Sackgasse gelandet. Alle Zeichen stehen derzeit auf Sturm und hektisch wird versucht, dieses System zu retten. Dabei dürfte es langsam auch den Experten und Politikern dämmern, dass es nicht zu retten ist, sondern die Staatsfinanzen, die Währung und am Ende auch die Politik mit in den Abgrund reissen wird. Was dann kommt es ungewiß, entspannt und nett wird es erst einmal nicht werden. Aber was kommt nach dieser Krise? Krisis ist eine „Zeit der Entscheidung“: Wollen wir eine neue Runde im Casino beginnen oder es diesmal besser machen? Dann dürfen wir diesmal nicht den Experten das Ruder überlassen, sondern müssen uns endlich aus unserer „selbstverschudeten Unmündigkeit“ befreien und selbst denken.


Graphiken veranschaulichen besser als Texte. Das waren die Größenverhältnisse weltweit bei Geld und Märkten im Jahr 2017.

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Autor: querfeldein

"Ich glaube nicht, daß ein vernünftiger Mann in Deutschland ist, der sich um das Urteil einer Zeitung bekümmert, ich meine der ein Buch verdammt, weil es die Zeitung verdammt, oder schätzt, weil es die Zeitung anpreist, denn es streitet schlechterdings mit dem Begriff eines vernünftigen Mannes." Georg Christoph Lichtenberg

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