Verwaltung heute und damals

Ein Freund erklärt mir, dass es heute in der Verwaltung wichtiger sei, Verwaltungsfachwirt (oder wie immer das genau heißt) zu sein, als von dem Fachgebiet Wissen oder gar Erfahrung zu haben. Ein ausgebildeter Verwaltungsfachwirt kann also ebenso „kompetent“ in der Denkmalbehörde wie in der Forst- oder Migrationsbehörde arbeiten. Er selbst arbeitet in der Verwaltung, hat aber in seinem Fachgebiet studiert und langjährige Erfahrung.

Das erklärt einiges…

Im Vergleich dazu:

Prof. Dr. Friedrich Theodor Althoff war Abteilungsdirektor der 2. Abteilung im Preußischen Kultusministerium mit 34 Beamten (inklusive Bürodienern) und war zuständig für:

  • Universitäten
  • Technische Hochschulen
  • Höheres Schulwesen
  • Wissenschaftliche Anstalten
  • Bibliotheken
  • Akademien
  • Museen
  • Kunsthochschulen
  • Handelshochschulen

Der Mann war fähig, denn bis 1918

  • wurden 40% aller Nobelpreise an deutsche Wissenschaftler vergeben,
  • 80% der Wissenschaftsliteratur erschien in deutscher Sprache,
  • internationale Wissenschaftssprache war Deutsch,
  • Analphabeten gab es in Deutschland kaum noch,
  • deutsche Universitäten waren ein begehrtes Ziel ausländischer Studenten und
  • deutsche Medizin war Weltspitze.

Bödecker, Erhardt: Preußen und die Wurzeln des Erfolges (Rottenburg, 2018), S. 268 f.

Abschied von Deutschland – von Jost Bauch

Wir haben den „peak civilisation“ irgendwann Ende der 1980er, Anfang der 1990er Jahre überschritten. Jost Bauch analysiert dieses Ende der westlichen Zivilisation historisch und soziologisch mit einer gewissen Verzweiflung und Melancholie. Dabei geht es nicht um irgendein Forschungsobjekt unter den analytischen Instrumenten der Wissenschaft, es geht um unsere westliche Zivilisation und Deutschland – also auch um Sie, die Sie diese Zeilen lesen.
Bereits 2050 werden 49 Millionen Deutsche und 19 Millionen Zugewanderte in diesem Land leben – und das sind nur die Prognosen von vor 2015! Wir steuern also definitiv auf ein Multiminoritäten-Gemenge (Staat wird dann wohl der falsche Begriff sein) zu, in dem das „tägliche Neuverhandeln des Zusammenlebens“ spannend wird.

Wären das alles brandneue Erkenntnisse, könnte ich damit vielleicht umgehen, aber die wesentlichen Bedingungen des Bevölkerungsrückgangs sind seit den Anfängen der Demografie 1765 (!) bekannt. Würden westliche Politiker nicht vorwiegend durch Negativauslese in ihre Positionen gebracht, hätten sie wahrscheinlich bereits vor 60 Jahren eine andere Familienpolitik initiiert. Die ideologische Großwetterlage wies seitdem allerdings gerade in die entgegensetzte Richtung.

Bauch attestiert den modernen Menschen Hedonismus und Narzissmus, analysiert den Funktionsverlust der Familie und einen ungehemmten Konsumismus. Überzeugend diagnostiziert er diesem System langfristig die Zerstörung der Voraussetzungen seiner Existenz. Er untersucht die herrschende technokratische Herrschaftsform und die als fast schon naturgesetzlich verkaufte Globalisierung sowie die sich daraus ergebenden Konsequenzen. Mit der Brille des Soziologen wird der Islam betrachtet und eine Inkompatibilität mit dem Grundgesetz konstatiert.

Der Abschnitt zur deutschen Moralhypertrophie widmet sich dem Verhältnis von Politik und Moral. Wieder einmal soll am deutschen Wesen die Welt genesen, auch wenn es in einer Auflösung des Deutschen mündet. Gerade in Westdeutschland ist der Schuldkomplex in weiten T eilen der Bevölkerung internalisiert, sodass ein Kampf gegen den überall lauernden Faschismus zur zeitunabhängigen Daueraufgabe und zur eigenen Legitimationsbasis wird. Ein kleines Glossarium politischer Kampfbegriffe rundet dieses Kapitel ab.

Können Nationen sterben?“, fragt Bauch am Ende. Das die Nation tragende Volk kann es, auch wenn es lange dauert. Wenn es aber propagandistisch herbeigeredet und politisch gewollt und umgesetzt wird, dann tickt die Uhr für den Selbstzerstörungsmodus. „Abschied von Deutschland“ ist eine kluge, spannende, zum Weiterdenken anregende, aber nicht immer leichte Lektüre.

In meinem Umkreis höre ich von Menschen jenseits der 50 regelmäßig, dass sie einfach nur noch bis zur Rente kommen und dann noch ein paar nette Jahre haben wollen. Wenn das mal klappt …

Oder wie Oswald Spengler festhielt:

„ ´Lever doodt als Sklav´: das ist ein altfriesischer Bauernspruch. Die Umkehrung ist der Wahlspruch jeder späten Zivilisation.“