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Waldkinder der pantheistischen Moderne

Meine Begegnung mit den Waldvölkern von Thomas Höffgen

Als ich mich als junger Mann eine Zeit lang im südamerikanischen Regenwald aufhielt, um ein ökologisches Volontariat zu absolvieren, lernte ich das indigene Volk der Ese’Eja näher kennen: Die Ese’Eja Indios, deren Name „wahre Menschen“ bedeutet, siedeln abgelegen in den Tieflandregenwäldern Perus und Boliviens, entlang der Flussläufe; bis vor wenigen Jahrzehnten lebten sie noch halbnomadisch in den Wäldern. Für mich bedeutete die Begegnung mit Ese’Eja den Kontakt zu einer Kultur, die noch ganz von einem naturmagischen Bewusstsein und einem lebendigen Schamanentum getragen wird, wie ich als Europäer es ansonsten nur aus Mythen oder Märchen kenne, die aus alten Zeiten überliefert sind, als auch Europa noch von Wald bedeckt war. Mehrere Wochen lebte ich in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Indianern und lernte ihre Lebensweise und Kultur näher kennen, ihr wildes Denken und magisches Handeln, den Weltenbaum und die Waldgeister. Ich lernte eine Weltanschauung kennen, in der die ganze Umwelt als beseelt und die Gesamtheit der Natur als heilig und durchgöttert gilt. Das war eine der bedeutsamsten Erfahrungen in meinem Leben.

Aber es gab auch traurige Momente. Etwa als der Älteste des Indianerdorfs von der ersten Erfahrung der Ese’Eja mit den Europäern berichtete: In dramatischen Bildern erzählte er von der traumatischen Konfrontation mit den „Eroberern“ (conquistadores) im Gefolge von Kolumbus, die im 16. Jahrhundert in das Land eindrangen, um die Ureinwohner zu unterwerfen und zu christianisieren (cristianizar).

Die Bekehrer hätten den friedlichen Naturglauben der Indianer als einen Götzendienst missinterpretiert (idolatria) und die Ureinwohner seien allesamt als Teufelsdiener gebrandmarkt und bestraft, gefoltert und getötet worden (sirvientes del diablo). Vor allem die Schamanen und die Hexen (hechiceros y brujas), die mit den Naturgeistern in besonderem Kontakt standen, seien verfolgt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden; aber ganze Völkerschaften habe man dahingerafft und ausgerottet (genocidio). Die Ese’Eja hätten diese „teuflische Tyrannei“ (tirania diabólica) nur überleben können, weil sie sich tief im Regenwald versteckt hielten und ihre Stammestraditionen über Jahrhunderte im Geheimen aufrecht hielten; wären sie entdeckt worden, würde es sie heute nicht mehr geben. „Der Wald hat uns gerettet!“ (la selva nos salvó), schloss der Älteste seine bewegte Rede, derweil ich fürwahr mit feuchten Augen vor ihm auf dem Boden saß.!

Ein paar Jahre später — wieder in Deutschland — musste ich an dieses Gespräch zurückdenken: Ich arbeitete gerade an meiner Doktorarbeit zum Thema „Hexensabbat“ und stieß in der Bibliothek der Ruhr-Universität Bochum auf mehrere alte Texte, die sich wiederum genauso lasen, wie die Berichte dieses alten Ese’Eja-Mannes aus dem Regenwald. Doch stammten diese Texte nicht aus dem frühneuzeitlichen Amerika, sondern aus dem europäischen Altertum, und sie handelten auch nicht von Indianern, sondern von Germanen: Mittelalterliche Missionsberichte und frühneuzeitliche Inquisitionsakten, die von einer Zwangschristianisierung unserer europäischen Vorfahren nach demselben Muster zeugen. Anscheinend konnten die Missionare auf einiges an Erfahrung zurückgreifen, als sie die Neue Welt eroberten, hatten sie die Alte Welt doch bereits ein paar hundert Jahre vorher mit derselben Vorgehensweise unterjocht und unterworfen. Offensichtlich wurden auch die europäischen Waldvölker, dıe sıch nicht taufen lassen wollten, über Jahrzehnte und Jahrhunderte verfolgt, weil sie weiter an die alten Götter der Natur glaubten.

Doch gibt es einen großen Unterschied zu den Ese’Eja: Für die europäischen Heiden gab es nämlich kein „Happy End“. Zwar zogen sich auch die germanischen Stämme zunächst in verlassene Wildnisse und unzugängliche Wälder zurück, um die alten Traditionen ım Geheimen fortzusetzen.

Doch nach ein paar Jahrzehnten brutalen Besatzungsrechts war auch dieser Widerstand der letzten Heiden, die sich selbst übrigens „Waldkinder‘‘ nannten, gebrochen; zumal der schützende Urwald zeitgleich radikal gerodet wurde. Anders als bei den Ese’Eja also, deren Mythen mündlich und Riten praktisch weitergetragen wurden, gibt es in Europa keine ungebrochene Überlieferungstradition, die uns noch heute mit den alten und den ältesten Weisheiten unserer Kultur — den Waldgeistern und den Weltenbäumen — verbinden könnte. Alles alte Wissen wurde damals verboten und verfolgt – und mit ihm das Wissen um die Göttlichkeit in der Natur.

Schon Friedrich Schiller war sich sicher, dass mit der Christianisierung eine schwerwiegende Entfremdung von der Natur einherging: Mit der Verdrängung der vorchristlichen Naturreligion sei eine „schöne Welt“ verlorengegangen, in der die Wälder pantheistisch alldurchgöttert waren und „eine Dryas lebt’ in jedem Baum“. Im Zuge der monotheistischen Zwangsmission — „Einen zu bereichern, unter allen“ – sei die lebendige Natur jedoch entgöttert und entweiht und entzaubert worden: „Durch die Wälder ruf ich, durch die Wogen, Ach! sie widerhallen leer!“

Aber ganz so einfach ist es dann doch nicht. Denn natürlich ließ sich das alte Wissen nicht immer ganz so einfach auslöschen, ließen sich uralte mythologische und kosmologische Überlieferungen, die seit Jahrhunderten zum kulturellen Kanon zählten, nicht einfach so verdrängen und vergessen. Abgesehen von den alten Göttern waren auch die religiösen Riten, Brauchtümer und Jahresfeste vielfach so fest im Volksglauben verwurzelt, dass es den Bekehrern äußerst schwerfiel, diese kurzweg zu beseitigen. Daher entwickelten die Christen — übrigens auf Anweisung vom Papst persönlich – eine geradezu perfide Methode der Missionierung: Anstatt nämlich den alten Glauben zu negieren, wurde er von den Bekehrern ganz bewusst pervertiert (von lat. perversus: „verdreht, verkehrt“). Die heidnischen Mythen, Riten und Bräuche wurden systematisch umgedeutet, meistenteils verteufelt, gelegentlich sogar zu Legenden oder Liturgien uminterpretiert (man spricht von interpretatio christiana). Freilich fiel es den meisten orthodoxen Christen nicht besonders schwer, die heidnische Kultur zu korrumpieren, glaubten sie doch fest daran, dass der Dienst an der Natur fürwahr ein Götzendienst und die alten Götter allesamt Dämonen seien. Das heißt aber zugleich, dass die vorchristliche Kulturtradition im Grunde gar nicht verschwunden ist, sondern verfälscht: Das heidnische Erbe Europas, das uns zum Beispiel die Germanen überliefern, liegt vielmehr in veränderter Gestalt vor — alles ist irgendwie verdreht, verkehrt und durcheinandergeworfen, eben: „diabolisiert“.

Oder anders formuliert: Will man heute etwas über die alte Religion Europas in Erfahrung bringen, tut man gut daran, zunächst zu schauen, wo etwas vom Teufel und von Hexen steht und man kann sich meist sicher sein, dass etwas Heidnisches dahintersteckt. Aber auch so manch ein Kirchenheiliger vermag sich bei genauerer Betrachtung als ein alter Heide zu entpuppen. Und wer den katholischen Kalender kennt, der kennt auch schon die meisten alten Jahresfeste.

Fragt sich bloß, ob dies wirklich der Platz sein soll, den wir den alten Göttern — mithin der Kultur und Kosmologie unserer europäischen Ur-Ahnen – in der Geschichte einräumen wollen. Ungleich sinnvoller erscheint doch wohl der Ansatz, die Ereignisse zur Zeit der Christianisierung kritisch aufzuarbeiten, die Religionsgeschichte wahrheitsgetreu wiederzugeben und das vorchristliche Heidentum authentisch zu erinnern. Vielleicht ja sogar zu dem Zwecke, das fast vergessene Wissen der Waldvölker auf eine neue und gewinnbringende Art und Weise für unsere Gesellschaft wiederzuentdecken und wiederzubeleben, etwa im Rahmen einer „pantheistischen Moderne“. Schiller jedenfalls wünschte sich nichts sehnlicher, als dass die verteufelten Naturgeister irgendwann wieder zurückkommen: „Schöne Welt, wo bist du? — Kehre wieder, holdes Blütenalter der Natur!“.

Zum Glück gibt es fleißige Forscher, Philologen und Volkskundler, denen es einen Heidenspaß bereitet, die naturreligiösen Traditionen wieder zu ent-teufeln, wissenschaftlich fundiert und historisch evident, aber durchaus auch verbunden mit der pantheistischen Vision, das alte Wissen für die Gegenwart und Zukunft wieder fruchtbar zu machen, Philosophen also, denen es am Herzen liegt, dass wir alle wieder „wahre Menschen“ werden und der Wald wieder ein „wahrer Wald“.

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Kim Dotcom auf Twitter

Sicher kann man Kim Dotcom für eine schillernde Persönlichkeit halten, dumm ist er aber mit Sicherheit nicht und ich halte es immer für eine gute Idee, verschiedene Erklärungsversuche anzusehen und erst einmal auf Plausibilität zu testen. In diesem Fall hat er bei mir diesen Test bestanden.

Was ist die eigentliche Ursache des US-Stellvertreterkriegs in der Ukraine? Die meisten Menschen haben keine Ahnung. Lassen Sie mich erklären.

Alles begann nach der Finanzkrise 2007-2008, die ihren Ursprung in den USA hatte. Die Zuverlässigkeit der US-Regierung als Partner in globalen Finanzangelegenheiten war zerstört.

2009 war Russland Gastgeber des ersten BRICS-Gipfels zur Schaffung eines besseren internationalen Finanzsystems mit China, Indien, Brasilien, Südafrika und später mit zukünftigen BRICS+-Partnern. Kurzum eine neue „multipolare Ordnung“. BRICS stellt den Reservewährungsstatus des US-Dollars in Frage.

Damit begann ein neuer Kalter Krieg mit Russland und China. Die US-Staatsverschuldung liegt jetzt bei 31 Billionen US-Dollar, die Gesamtverschuldung der USA bei 92 Billionen US-Dollar und die gesamten ungedeckten US-Verbindlichkeiten bei 172 Billionen US-Dollar, und das alles ohne einen Überschuss der US-Regierung, um irgendetwas davon zu bezahlen. Nur noch mehr Schulden und Gelddrucken.

Die US-Regierung weiß, dass sie ohne den Status einer Reservewährung bankrott ist. Ohne Gelddruck auf den Rücken anderer Nationen ist es für die USA einfach Game Over. Aber nicht nur für die USA. Die EU und die meisten westlichen Demokratien folgten dem US-Modell des endlosen Schulden- und Gelddruckens.

Deshalb stehen sie hinter den USA und unterstützen die eskalierenden Aktionen, die den meisten Menschen völlig unlogisch erscheinen. Warum opfert die EU ihren Wohlstand für einen Stellvertreterkrieg der USA in der Ukraine? Denn wenn die USA zusammenbrechen, brechen sie auch zusammen. Ihr Bündnis ist von der Angst vor dem Scheitern geprägt.

BRICS+ war auf dem richtigen Weg, sein neues globales Finanzsystem bis 2030 einzuführen. Die Ukraine ist das Werkzeug für Konflikte mit Russland und Taiwan ist das Werkzeug für Konflikte mit China. Irgendwann werden die USA und die NATO Krieg mit Russland und China führen. Sie scheinen einfach keine andere Wahl zu haben.

Es ist entweder ein Krieg mit Russland und China, um BRICS+ zu stoppen, oder der finanzielle Zusammenbruch der USA, der EU und des gesamten Schulden- und Gelddruckzirkus. Es ging nie um die Menschen in der Ukraine. Die Ukraine ist ein Nebenschauplatz. Das Hauptereignis steht noch aus. Die beiden Optionen sind Armut oder Atomkrieg.“

Annex:

„Der US-Plan sah vor, die Ukraine in die NATO aufzunehmen, die Ukraine die Krim anzugreifen, Russland Vergeltungsmaßnahmen gegen ein NATO-Mitglied zu ergreifen und die NATO Artikel 5 zu nutzen, um der Ukraine bei der Einnahme der Krim zu helfen. Putin wusste das, ergriff die Initiative und überraschte sie mit dem Vorteil, dass die Krim nicht verloren ist.“

(automatisch übersetzt mit Google)

Vor 15 Jahren

habe ich meinen ersten Blog angelegt – WordPress erinnerte mich dieser Tage daran. Tatsächlich habe ich im August 2007 meinen ersten Text veröffentlicht, der mit dem Satz endete:

Finde die Instanzen in dir selbst, die Wahrheit von Halbwahrheit oder Lüge unterscheiden können – es gibt sie, auch in dir. Sie haben seltsam altmodische Namen wie eben Appetit, Intuition, Gewissen, Wahrheit.

Eine Menge ist seitdem geschehen – Finanzkrise 2008, zunehmende Verwirrung, gute Freunde haben sich aus dieser Welt verabschiedet, Denkverbote, gute Freunde haben mich aus ihrer Welt verabschiedet, Corona-Kult und eine Welt am Randes des Irrsinns, ich habe neue Freunde gewonnen, Ukraine-Krieg und eine westliche Zivilisation, die bereits über die Klippe gesprungen ist.

War ich anfangs ein Skeptiker und Sucher, so fühle ich mich heute wie ein Ausserirdischer auf einem Planeten, der wunderschön ist, aber von einer seltsamen Spezies bewohnt wird, die den Kontakt zur Natur und zum Geist der Schöpfung verloren hat.

Wir sind falsch abgebogen, kulturell und geistig (und viele auch körperlich) übersättigt, wir machen immer mehr von dem, was nicht funktioniert und ertrinken im Ich. Viele Menschen im Westen sind so arm, dass sie nur Geld haben. Sie sind Konsumenten eines Lebens, das andere ihnen vorgeben.

Das ist eine nüchterne Beschreibung aus meiner Sicht, die wahrscheinlich noch einige nachvollziehen können. Nach einige Jahren des Nachforschens, Nachdenkens und des normalen Lebens in dieser Welt drängt sich mir allerdings der Verdacht auf, dass es um mehr geht – alles wird verdreht, die Wahrheit wird als Lüge verdammt, die Lüge wird zum Allgemeinplatz. Einfache Fragen zu stellen wird zur Ketzerei. Das Problem ist nicht ein paar Jahrzehnte alt, es ist Jahrhunderte alt (vielleicht Jahrtausende, da bin ich mir noch nicht sicher). Zu fein abgestimmt wurden Entwicklungen angeschoben und durchgesetzt, miteinander verzahnt, um sich gegenseitig zu verstärken – und das hat bisher geklappt.

So lange du nicht bereit aus der Matrix auszusteigen oder aus der Höhle Platons den Ausgang zu suchen, wirst du bespielt, von anderen Mächten gelenkt und wirst jeden, der etwas anderes sagt, bekämpfen wie Agent Smith in Matrix oder beschimpfen, wie den, der wieder in Höhle zurückkehrt bei Platon. Kurz: ich gehe mittlerweile davon aus, dass Platons Höhlengleichnis kein Gleichnis, sondern eine sehr konkrete Beschreibung unseres Menschseins ist, genauso wie Matrix eben kein Science-Fiction-Film ist, sondern unsere Realität. Und ich hoffe sehr, dass ich mich irre…

In den letzten Jahren habe ich viele Menschen kennengelernt, die mit einem Mal das Weckerklingeln gehört, ihr Leben ungekrempelt haben und jetzt in Umständen leben, die sie vor ein paar Jahren oder Monaten nicht für denkbar hielten – Menschen, die sich jetzt frei, selbstverantwortlich und verbunden fühlen, die ihre Macht wiedererlangt haben und von innen strahlen.

Leider habe auch ich bisher nicht herausbekommen, wie es gelingen kann, andere zu wecken.

Geistige Entgiftung

Wir sind über Generationen mit geistigem Müll gefüttert worden und sehen heute die Ergebnisse.

Freudig erzählen wir uns, dass irgendeine öffentliche Nase (Kabarettist, Journalist, Alt-Politiker) jetzt auch gesagt hat, was im Grunde jeder selbst denkende Mensch mit mindestens einem Bein in der Realität schon seit Jahren wusste.

Brauchen wir eine Erlaubnis zum Selbst-Denken? Haben wir kein Vertrauen in die eigene Urteilskraft? Sind wir tatsächlich aufgeklärt?

Wie Schafe in Markenklamotten, mit schicken Berufsbezeichnungen und Titeln, gefüttert mit geistigem Müll und wertlosem Futter, einem Seifenblasen-Ego und hundert Versicherungen gegen eine kaputte Welt, lassen wir uns von ehrlosen und dummen Politikern aus der Resterampe durchs Leben treiben. Dann wundern wir uns, dass „die da oben“ wieder so einen Unsinn treiben. Haben wir es besser verdient?

Der Zufall hat mir dieses kleine Büchlein von Hans-Hermann Hoppe in den Weg gelegt, das ich als Detoxikationsmittel gegen Staatsgläubigkeit empfehle. Vorsicht: subversiv!

Und hier noch einmal als kurzer Vortrag.

Verwechslung

Diese Woche waren wir zum Essen bei Freunden. Der Koch hatte etwas zusammengezaubert, das sehr gut aussah. Mitessen wollte er aber nicht. Auf die Frage warum, antwortete er ganz offen und freundlich, er wisse nicht, ob das Essen in Ordnung sei und könne es sich nicht leisten, jetzt auszufallen.

Wie bitte?

Entschuldigung, ich bin etwas durcheinander gekommen, es ging um eine als Impfung deklarierte Gentherapie mit dünner Studienlage.

Die Rückkehr der dritten Macht?

Seit annähernd zwanzig Jahren recherchiert Gilbert Sternhoff zum Thema „Dritte Macht“ und hat in dieser Zeit fünf Bücher dazu geschrieben. Sein neues Werk sieht er als eine Art Zusammenfassung, erheblich ergänzt um neue Informationen. Aber Moment: Was soll das sein, die „Dritte Macht“? Als das Ende des Dritten Reiches absehbar war, bildete sich innerhalb der SS eine Struktur, die sich mit viel Geld und den Filetstücken der Hochtechnologieentwicklung in den letzten Tagen des Krieges aus Deutschland zurückzog. Der Begriff „Absetzbewegung“ ist vielen eher geläufig. Sternhoff spricht dennoch von einer „Dritten Macht“, weil sie sich neu formierte und ein zumindest gleichwertiges Pendant zu den beiden damaligen Supermächten darstellt und gewichtigen politischen Einfluss auszuüben vermag. Er geht soweit, dass seiner Meinung nach die Übernahme der Welt durch diese Dritte Macht gar nicht verhindert werden kann. (Bitte schauen sie jetzt sofort kurz in einen Spiegel und beobachten sie ihre Gesichtszüge!)

Sie lesen offenbar weiter, sie sind entweder sehr neugierig, von den Geschichtslügen so angewidert, dass sie sich alles erst einmal anhören oder ein Science-Fiction-Fan. Aber bei Sternhoff geht es weder um Nazis auf der Rückseite des Mondes noch um eine Basis in Neuschwabenland. Er hat viel Wissen zu diesem Themenkomplex gesammelt, hat viele Informationen von seinen Lesern bekommen, aber auch selbst z.T. vor Ort recherchiert. Aber der Reihe nach: Ausführlich beschreibt er die wichtigsten Protagonisten der Absetzbewegung und deren Aktivitäten in den letzten Kriegstagen. Das ist detailliert beschrieben, aber wenig kann als gesichert gelten. Welchen Modernisierungsschub Argentinien nach Kriegsende durch den Wissenszufluß aus Deutschland erlebte, wäre ein eigenes Buch wert, genauso wie die schon frühzeitige Gründung von Unternehmen im Ausland für den Fall einer Niederlage. Welche Bunker heute noch als Lager der Dritten Macht dienen und gesichert bzw. sogar bewacht werden, reißt er nur an, aber das Wenige erklärt den unterschiedlichen Umgang mit diesen unterirdischen Anlagen bis heute.

Bei seiner Erklärung des UFO-Phänomens geht er weit zurück, erklärt einleuchtend den Einfluss Schaubergers auf die Entwicklung und den Anstoß, den Hilgenberg für das Projekt Glocke gab. Das ist der gleiche Hilgenberg, den sie vielleicht als Entwickler der Expansionstheorie der Erde kennen oder als denjenigen, der Torsionsfelder und Gravitation in Zusammenhang brachte oder einfach nur als letzten Physiker, der weiter an einer Äther-Theorie arbeitete.

Sternhoff Grundthese ist zugleich mein größten Buchschmerz mit diesem Buch: Er führt wirklich alle UFO-Phänomene auf die Dritte Macht zurück – Entführungen (auch durch Wände und geschlossene Fenster), Tarnkappentechnologie, Implantate, genetische Forschungen inklusive Zuchtprogramm, Telepathie und die kleinen Grauen… Lassen sie sich überzeugen, bei mir hat er es nicht geschafft. Das soll aber keineswegs heißen, dass dieses Buch Unfug ist. Er versucht eine rationale Analyse dieser Phänomene unter der Annahme, dass alle „Außerirdischen“ im Grunde Gesandte der Dritten Macht sind. Das ist nur ungewohnt. Wenn wir von „echten“ Außerirdischen ausgehen (von Reptos bis hin zu einer KI, die das Universum übernommen hat), können bzw. müssen wir ein paar neue Naturgesetze/ Zeitlinien/ Dimensionen hinzu vermuten und unserer Phantasie deutlich mehr Freilauf lassen. Ist das besser oder „wahrer“?

Im zweiten Teil des Buches beschreibt er seine Suche nach dem Kommandostab der Dritten Macht. Anfangs war er wohl in Chile, später dann im Grenzgebiet zwischen Brasilien und Venezuela, wo er sie selbst mit einer Expedition vergeblich gesucht hat, jetzt wahrscheinlich auf dem Mars.

Am Ende beantwortet er Fragen, die immer wieder im Zusammenhang mit der Dritten Macht auftauchen und erklärt aus seiner Sicht deren Strategie: Sie werden wohl die sich abzeichnende ökonomische und gesellschaftliche Katastrophe für sich nutzen. Das ist alles spannend geschrieben, bietet Unterhaltung und ungewöhnliche Einsichten. Sternhoff ist ein politisch eher neutraler Forscher, der versucht, die vielen Puzzlestücke zusammenzufügen. Wer weiß, vielleicht sind die himmlischen Heerscharen aus der Apokalypse am Ende ja das letzte deutsche Bataillon.  


Oder hat er das Thema Antarktis unterschätzt?

2020 gab der russische Geheimdienst-Chef Einblicke, wie Putin mit Aufklärungsinformationen umgeht: Laut Naryschkin informiert der Auslandsgeheimdienst Russlands (SWR) den Staatschef „praktisch ohne Wochenende und Feiertage, weil Informationen beim Dienst von allen Kontinenten, außer der Antarktis, einlangen“

Ab 2:12 wird es interessant…


Ich habe mich ja schon seit Jahren gefragt, was so viele Politiker in der Antarktis wollen, wo für einen Normalbürger der Zutritt verboten ist. Und dann das…

Und diese ältere Twitter-Nachricht kam heute noch hinterher…

Fake? In Twitter findet man beide nicht (mehr), aber hier.

Ayn Rand – „Der freie Mensch“

Meine Frau möchte mir ein Geschenk machen. Ja, immer gerne! Sie drückt mir ein schweres Paket in die Hand und heraus kommt – ein Buch: Ayn Rand – „Der freie Mensch“. Die Überraschung ist gelungen. In Deutschland war das Buch bisher nicht einfach zu bekommen, ältere Ausgaben bei Amazon findet man als Gebrauchtexemplare für Preise zwischen 300-480 Euro. Jetzt liegt dieser 1957 erschienene Klassiker der Libertarismus neu übersetzt im thinkum Verlag für 50 Euro vor. Aber 1487 Seiten sind auch für mich eine echte Herausforderung und bei diesem Brocken mit über 2 kg ist ein Buchhalter nötig.

Ob „Der freie Mensch“ eine Philosophie in Romanform oder ein philosophischer Roman ist will ich nicht entscheiden, aber in meiner gesamten bisherigen Lektüre bildet dieses Buch eine Art geistige Insel, es passt in vieler Hinsicht in keine Schublade. Es gibt zur philosophischen Tradition des Abendlandes – von Aristoteles einmal abgesehen – keine Verbindungen. Ein positiver Bezug zur christlichen Tradition ist ihr fremd. Dystopie und eine Utopie werden in einem Werk gegeneinander gestellt. Selbst die Liebesbeziehungen der Hauptfigur sind irgendwie philosophisch, aber keineswegs blutleer. „Der freie Mensch“ ist eher der amerikanische Traum von Freiheit, dem Streben nach Glück und freiem Unternehmertum in Buchform – nur ganz anders als wir das aus Hollywood kennen. Und nebenbei: Ayn Rand hat 25 Millionen ihrer Bücher verkauft.

„Wenn dein starker Arm es will, stehen alle Räder still“ hat bei Ayn Rand eine gänzlich andere Bedeutung als wir sie in Europa sofort assoziieren. Was würde geschehen, wenn die Leistungsträger einer Gesellschaft, im Buch sind es v.a. die Industriellen über den Erfinder bis zum echten Philosophen, einfach hinwerfen und in den Streik gehen und damit die steuerfinanzierten Plünderer aller politischen Farbvarianten sich selbst überlassen? Und weitergedacht: Was geschähe, wenn der Eisenbahner, der Bauer und der Vorarbeiter im Stahlwerk plötzlich einfach weg wären und die Politiker samt Staatsapparat, die Journalismus-Simulatoren und die Tausenden Berater, Anwälte und Sich-auch-irgendwie-wichtig-Meinenden plötzlich allein wären? Diese Idee spielt Ayn Rand in diesem Buch radikal mit so zwingender innerer Logik bis in die Details durch, dass am Ende nur ein gesellschaftlicher Trümmerhaufen übrig bleibt – und ein gut vorbereiteter Neuanfang.

Wenn sie jetzt ein leises Lächeln auf den Lippen haben, sollten sie das Buch lesen. Es ist spannend geschrieben, sie werden nicht lange brauchen, um mit den Akteuren des Romans mitzudenken und zu fühlen. Ihr Lächeln wird sicher irgendwann schmaler werden, wenn ihnen bewusst wird, wie aktuell dieses Buch ist.

Wenn sie dagegen entrüstet den Kopf schütteln oder auch nur der Gedanke an Gemeinwohl, Menschlichkeit oder Altruismus durch ihren Kopf geistert, sparen sie sich das Geld. Sie werden nicht weit kommen oder einen mentalen Kollaps erleiden.

Bücher sind ein Resonanzboden für unseren Geist – aus manchen Büchern wachsen wir heraus, für andere sind wir noch nicht reif, andere treffen wir zum genau richtigen Zeitpunkt. Dieser Roman hat ein philosophisches Format, das ist heute selten worden. Komfortabel dosiert in einer ruhigen Stunde bei Rotwein und Kerzenschein Philosophie konsumieren, das ist nicht ihre Sache. Ayn Rand hat diese Geschichte vor über sechzig mit fast schon hellseherischen Fähigkeiten geschrieben und wird neben George Orwell und Aldous Huxley ihren Platz finden. Dieses Buch zu lesen ist eine geistige De-Programmierung – erst schmerzhaft, dann umso befreiender. Für mich war danach mein weiterer Weg klarer.

Zwei grundlegende Prämissen hat sie, die den Menschen verorten: Es gibt eine objektive Realität in einer kausalen Welt, mit der wir leben müssen – oder wir sterben. Die Gesetze des Lebens können ignoriert werden, sie werden aber uns nicht ignorieren. Alles postmoderne Gerede und Wortverdreherei, alle Propaganda und alle theoretischen Konzepte zur Verbesserung der Welt scheitern am Ende an der Wirklichkeit. Das kann allerdings dauern und wir müssen entscheiden, was wir in dieser Zeit tun und lassen.

Den „Sündenfall“ sieht sie als ein Geschenk. Durch die Erkenntnis von Gut und Böse hat der Mensch eine Moral entwickelt, um sein Brot durch Arbeit zu verdienen, musste er produktiv werden und durch die Lust beim Sex fand er Freude und zu seiner Schöpferkraft. Das sind die Kardinalwerte seiner Existenz, durch sie wurde er erst zum Menschen. Körper und Bewusstsein sind bei ihr keine Gegensätze, sie gehören zusammen. „Ein Körper ohne Seele ist ein Leichnam, eine Seele ohne Körper ein Gespenst.“

Ayn Rand ist nicht atheistisch im herkömmlichen Sinn, sie braucht keinen Gott. Wenn der Mensch in seine Schöpferkraft kommt, findet er selbst in seine Göttlichkeit. Da sind christliche Konzepte von Schuld und Opfer nur Mittel zur Herrschaft und ein fernöstliches Konzept von Wiedergeburt hindert uns das zu tun, was jetzt getan werden kann oder muss.

Du musst denken, du musst vor allem selbst denken und dich nicht darauf verlassen, was andere sagen. Es ist dein Leben. Es ist deine Freiheit. Du hast die Verantwortung für dein Leben. Das gesamte Buch ist ein Aufruf zum Leben, zur Schaffenskraft und zur Lebensfreude, ja Lebenslust. Dafür müssen wir erst einmal wieder in der Realität, im Hier und Jetzt ankommen und geistigen Ballast abwerfen.

So definiert sie sozial auch ganz weltlich um: was mir nutzt, nutzt auch den anderen, denn sonst würden sie es nicht in einem freien Marktverhältnis bei mir kaufen. Daraus können wir ein gesundes Selbstwertgefühl entwickeln und unsere Ängste loslassen. Zu oft gehen wir noch aus Bequemlichkeit in die Falle des Selbstverrats und lassen es zu, dass die Hoffnung gegen uns verwendet wird, statt einfach nicht mehr mitzumachen. „Es ist eigenartig, wie einfach die Dinge werden, wenn man sie klar sieht.“

Ayn Rands gesamter Entwurf orientiert sich an den Starken, die das Beste aus sich herausholen, an einem Adel durch herausragende Leistung und nicht an den Schwachen, Kranken und Bedürftigen. Das ist eine grundsätzliche Richtungsentscheidung, die sich bewusst zu machen lohnt. Sie feiert das Leben, die anderen den Schmerz und das Leid, am Ende den Tod. In der Thermodynamik nennt man den Zustand, wenn alles irgendwann gleich ist, den Wärmetod des Universums.

Ohne Frage gibt es Argumente gegen ihre Ansichten, aber jeder sollte sich fragen, welche davon auf seiner inneren Ablehnung und seinen erlernten Vorurteilen mit ausgefeilten Konzepten und einer gut gepflegten Begrifflichkeit beruhen. Bei der Durchsicht der ersten Seiten der Google-Suchergebnisse habe ich mich gefragt, ob wir die gleiche Autorin gelesen haben.

Wenn Sie in Ayn Rands „Shambala“, ihre Utopie der freien Menschen, Eintritt haben wollen, dann müssen sie aus ihrer inneren Mitte den Schwur leisten können: „Ich schwöre bei meinem Leben und der Liebe zu ihm, dass ich niemals für einen anderen Menschen leben werde und von keinem Menschen verlange, dass er für mich lebt.“ Und, können sie das?

Das „etwas andere“ Pilzbuch

Pilze sind allgegenwärtig – in uns, um uns – aber für unsere Augen meist unsichtbar. „Sie fressen Gestein, produzieren Erde, verdauen Umweltgifte, ernähren und töten Pflanzen, überleben im Weltraum, erzeugen Visionen, produzieren Nahrung, stellen Medikamente her, manipulieren das Verhalten von Tieren und haben Einfluss auf die Zusammensetzung der Erdatmosphäre.“ (S.13) Merlin Sheldrake gibt in seiner Einleitung den Parcours durch sein Forschungsgebiet vor und das ist immer doppelt spannend zu lesen.

Zum einen lernt man viel über Pilze: von Trüffeln, Flechten, Zauberpilzen, Mykorrhiza-Pilzen, Zombie-Pilze, die Ameisen befallen, Heimzucht von Pilzen, die auch auf Zigarettenkippen wachsen und natürlich über Hefepilze. Pilze sind Meister der Anpassung an die unwirtlichsten Umweltbedingungen und sie verstoffwechseln so ziemlich alles, was ihr Mycel erreichen kann. Selbst in den strahlenden Atomreaktoren von Tschernobyl haben sich Pilze angesiedelt, die sich von Radioaktivität ernähren. Das ist schon spannend und unterhaltsam zu lesen. Zum anderen analysiert Sheldrake von den konkreten Phänomenen ausgehend, wie Pilze unsere philosophischen Kategorien und Vorstellungen durcheinanderbringen, zuweilen auch auflösen. Das ist Wissenschaftsphilosophie ganz lebendig, praxisnah und offen. Wenn er sich durch den Dschungel gräbt, um das Mycel eines Pilzes zu verfolgen und scheitert, weil Pilze keine klar definierbaren Grenzen haben, dann kommen basale Vorstellungen unseres Weltbildes wie der Identitätsbegriff ins Wanken. Was genau untersucht man dann eigentlich im Labor unter kontrollierbaren Bedingungen und ist es das gleiche wie das „Wood Wide Web“? Sheldrake hat mit vielen Forschern gesprochen und diese fachlichen und wissenschaftstheoretischen Diskussionen sind intellektueller Goldstaub. Das Tier- und Pflanzenreich sind vergleichsweise gut erforscht, Pilze, die daneben ein eigenes Organismenreich bilden, sind dagegen noch für Pioniere und Freigeister offen. Allein eine geeignete Metapher für das Leben von Pilzen zu finden, liest sich wie eine philosophische Meditation. Wir müssen Metaphern nutzen, um etwas zu verstehen, präfigurieren damit aber schon, was wir sehen können (und was wir dann notwendig ausblenden). Diese Denkbilder nehmen wir gerne aus der uns bekannten Natur oder der Technik. Aber von einem Netzwerk zu sprechen, blendet genauso viel aus wie von Symbiose zu reden. Sheldrake schafft es, diese Ungewissheit sachlich zu diskutieren, aber erst einmal so bestehen zu lassen, um den Blick für die Phänomene offen zu halten. Wer oder was denkt da z.B., wenn Pilze Probleme bei der Futtersuche lösen und offenbar Entscheidungen treffen können, obwohl sie biologisch nichts einem Nervensystem Vergleichbares aufweisen. Sind diese „hirnlosen Entscheidungen“ trotzdem Denken oder denken wir unser Denken einfach nur sehr eingeschränkt? Und wie ist das mit dem Übergang von Natur zur Kultur durch den Menschen? Termiten kultivieren in ihren Bauten sehr ausgeklügelt Pilze und haben den Schritt zur Kultur nach unserer Definition schon einige Millionen Jahre vor der Menschheit vollzogen.

Wenn man über Pilze nachdenkt, beginnt die Welt anders auszusehen, das vertraute Weltbild wird durcheinandergewirbelt und wir lernen wieder angesichts der Vielfältigkeit des Lebens zu staunen.

Sheldrakes Parcour querfeldein durch die unbekannte Welt der Pilze mit Mikroskop, Grabschaufel, Laborausrüstung, Trüffelhund, Selbstversuch, Evolutions- und Wissenschaftstheorie bietet zwar keine griffigen Antworten auf alles, regt aber auf jeden Fall zum selbst-Denken an. Schön, dass es noch solche wachen und auch etwas exzentrischen Forscher gibt, die auf die Idee kommen, das eigene Buch mit Austernpilzen zu besiedeln und dann zu essen und ein anderes Exemplar zu Bier zu vergären und zu trinken. Da haben seine Eltern etwas richtig gemacht.

Merlin Sheldrake: Verwobenes Leben. Wie Pilze unsere Welt formen und unsere Zukunft beeinflussen
Berlin (Ullstein) 2020
ISBN 978-3-550-20110-3