«Nehmen gilt als Menschenrecht, das Geben ist bloss für die Doofen»

Die NZZ hat Robert Pogue Harrison interviewt, der als Professor für italienische Literatur in Stanford lehrt und sich auch als Kulturphilosoph einen Namen gemacht hat. Hauptthema: Infantilisierung der Wohlstandsbürger.

Das Kind profitiert von der Fürsorge seiner Eltern, ohne sich dessen bewusst zu sein. Das Tischlein ist immer gedeckt, für Geborgenheit und Wohlergehen ist stets gesorgt, als würde im Hintergrund ein guter Geist wirken. Die Ansprüche wachsen in den Himmel. Aber diesen Geist gibt es nicht. Es gibt bloss die Hand der Menschen, die arbeiten, leisten und liefern. Irgendwann wacht das Kind auf und begreift, dass die menschliche Ordnung kein Naturzustand ist, sondern das Gegenteil davon – das Ergebnis harter, unaufhörlicher Arbeit. Dieses Erwachen, fürchte ich, steht uns noch bevor.

Die Liebe für die grosse weite Welt zieht sich langsam, aber sicher zurück. Was dabei vergessen geht: Die jungen Menschen profitieren heute von der Weltliebe ihrer Vorfahren, sie führen im Durchschnitt ein grossartiges Leben in einer Luxuswelt, die sich durch Prinzipien globaler Gerechtigkeit, wachsender Freiheit und zunehmender Gleichheit auszeichnet. Diese Welt neigt sich dem Ende zu, ein neues Zeitalter steht uns bevor. Wir stecken mitten in einem historischen Umbruch, dessen Konsequenzen wir unmöglich übersehen können. Es ist schon viel gewonnen, wenn wir halbwegs präzise zu beschreiben vermögen, was derzeit genau geschieht.

Die Barbarei ist stets näher, als wir denken.

…und weil es so gut zum Thema passt:

Silicon-Valley-Pionier, Philosoph, Contrarian

In der NZZ habe ich ein lesenswertes Interview gefunden, in der ein exotisches Exemplar einer menschlichen Unterart zu Worte kommt – ein innovativer und erfolgreicher Unternehmesgründer, der zugleich Intellekueller im besten Sinne ist. Peter Thiel hat zusammen mit Elon Musk PayPal gegründet und dann für eine hohe Summe an ebay verkauft. Finanziell unabhängig ist er damit auf jeden Fall, geistig unabhängig zu sein  und gegen den Strom zu denken muss man sich aber nicht nur leisten können, man muss es auch wollen und die Fähigkeit dazu haben. Heute ist er ein (wiederum) erfolgreicher Venture Capitalist und ein Denker, der ernsthaft auf der Höhe der Zeit reflektiert.
Gerade seine Aussagen zu Politik, Wirtschaft und Wachstum sowie zur ökonomischen und geistigen Stagnation fallen aus dem Rahmen.

  • das Silicon Valley: Es gibt da längst viel zu viel Bequemlichkeit und Konformismus.
  • China, Berlin, die Schweiz,
  • Künstliche Intelligenz, virtuelle Realität, selbstfahrende Autos, Besiedelung des Alls: Ganz ehrlich: Das ist mir zu abstrakt, zu sehr Geschwafel. Die PR-Maschinerie des Valley bringt solche Wortkreationen in Umlauf….
  • Biotech und die Überwindung des Todes
  • Internet, Meinungsfreiheit und Privatheit
  • Tragen Internetplattformen überhaupt zur Verbesserung der Lage von Otto Normalverbraucher bei? Taxifahrten oder Übernachtungen werden zwar billiger, dafür verliert der Kunde immer mehr Zeit am PC… : Sie werden sich vielleicht wundern, aber ich stimme Ihnen absolut zu.
  • Ein Merkmal der Spätmoderne besteht in der unaufhaltsamen Arbeitsteilung und Spezialisierung. Sie haben immer kleinere Gruppen von sich selbst kontrollierenden Experten.
  • Ich vertraue dem Common Sense in dieser Frage mehr als der Meinung der Experten. Wenn Sie 100 Leute fragen, ob es ihre Kinder dereinst besser haben als sie, werden 80 antworten: nein, nie im Leben. Und dann wissen Sie, dass etwas nicht stimmen kann an den Zahlen. Das sind ja keine blossen Einbildungen, das ist die Erkenntnis aus täglicher, harter Erfahrung.
  • Trump: Ich bin längst nicht in allem seiner Meinung, aber er benennt Probleme und packt sie an. Und vor allem: Er hat die Meinungsvielfalt spürbar geöffnet, also den Range an öffentlich zulässigen politischen Positionen, Meinungen und Haltungen in allen möglichen Fragen. Das ist ganz klar ein Freiheitsfortschritt.
  • Es ist zu billig, die Politiker für alle Unbill dieser Welt verantwortlich zu machen. Nicht sie sind es, die die Leute gegeneinander aufbringen. Im besten Fall wirken sie als Katalysatoren einer Polarisierung, die bereits im Gang ist. Und diese Polarisierung hat meiner Meinung nach nicht in erster Linie mit dem unterschiedlichen Lifestyle der Bürger zu tun, sondern mit der Ökonomie. Die spaltende Kraft ist die Stagnation. Es gibt viele Amerikaner, die kaum mehr über die Runden kommen. Und sie sehen die anderen, die eine Rente abschöpfen.
  • Kapitalismus, Wirtschaftswachstum und Demokratie: Solange der Kuchen wächst, gibt es mehr für alle, wenn auch für die einen noch mehr als für die anderen. Wenn der Kuchen nicht mehr wächst, ändern sich die Spielregeln: Was die einen mehr bekommen, erhalten die anderen weniger. Diese Entwicklung birgt unheimliches Konfliktpotenzial.
  • Anthropologie: Der Mensch ist das Tier, das sich ständig mit anderen vergleicht.
  • Stagnation: Die Stagnation hat in den 1970er Jahren begonnen. Die Linke vollführte damals einen radikalen Wechsel, ohne sich dessen wirklich bewusst zu sein: Ökonomie wurde durch Kultur verdrängt, es ging nicht mehr um soziale, sondern um kulturelle Unterschiede. Die Linken haben seither jeden ökonomischen Sachverstand eingebüsst, sie sind auf die Stufe von Kindern regrediert.

Tricks der Medien-Manipulatoren

Ein Beitrag aus dem bürgerlich–konservativen Magazin Schweizerzeit aus dem Jahr 2015:

Rechte «poltern» und «hetzen»

Wichtig sind für Medienschaffende die richtigen Worte: Konservative Politiker dürfen nicht ein Thema aufgreifen, nein, sie «wittern» etwas, was sofort die Assoziation mit tierhaftem, instinktgetriebenem, also niederem Verhalten weckt. Die Guten hingegen «wittern» nicht, sondern «decken auf». Wer etwas «gewittert» hat und das thematisiert, zum Beispiel ein Unbehagen des Bürgers über die Masseneinwanderung, der «poltert», «schiesst» gegen Ausländer, «greift an» und «hetzt» gegen sie, schürt so «dumpfe Ängste» beim Volk, das ja gerade wenn es um Ausländer geht, gar nicht anders kann als dumpfe, also unreflektierte Regungen zu empfinden.

Ganz anders auf der linken Seite: Linke «kritisieren» einen Zustand, sie «rütteln auf», «machen sich Sorgen». Wird sie emotional, so hat die linke Politikerin «aufgebracht» die Sachlage «erklärt», aber niemals «keift» sie derart, wie ihr bürgerlicher Gegenpart, nein sie «klagt an», «klärt auf» und «kritisiert» die «rechte Hetze». Fühlt sich ein Konservativer dann von den Medien schlecht behandelt, so «jammert» er, was eine grüne Kantonsrätin nie tut, sie «leidet» unter den Angriffen, vermeldet der Tagi.

Linke sind «besorgt»

Zahlreich sind die abwertenden Beschreibungen, mit welchen der Fernsehjournalist «Nationalkonservative» – das Wort erinnert so schön an Nationalsozialisten, dass man es immer wieder verwenden muss – von «Weltoffenen» unterscheiden kann. Erstere wollen sich «abschotten», denn sie sind nicht «offen». Nationalkonservative leiden unter «diffusen Ängsten», weshalb sie ihre «radikalen» und «extremen» Ansichten nicht unkommentiert verbreiten dürfen, wenn sie zur «Hetze» greifen. Die «Besorgten, Anständigen» hingegen, sind anders: Sie haben «fundierte Befürchtungen», wenn sie ihre «zukunftsweisenden» «fortschrittlichen» Gedanken manchmal auch «emotional» äussern, immer aber Probleme «aufzeigen» und den «Finger auf die Wunde legen».

Niemals darf ein Mann wie Christoph Blocher von einem Medium wie der «NZZ» mit einem positiven Attribut bedacht werden. Nein, man hat ihn «abgewählter Bundesrat», «Milliardär» oder gern auch «Volkstribun» oder noch besser «Parteiführer» zu nennen. Seine Gegenspielerin hingegen wird als «emsig», «weitblickend», «vorausschauend», «dossierfest», ja als «populäre Magistratin» bezeichnet, als «Leaderin».

«Rechtsextreme» versus «Autonome»

Im Gefolge des Führers tummeln sich dagegen «grinsende» Typen wie Mörgeli, welche gerne «Grossangriffe» und «Attacken» lancieren. Dem «Führer» folgen auf dem «Marsch nach Bern» immer auch «Rechtspopulisten» («Linkspopulisten» gibt es nicht) oder «Rechtsextreme» sowie «Neonazis». Auf der linken Seite können die «linken Aktivisten» noch so lange pöbeln, Nationalräte verprügeln und randalieren, sie sind höchstens «Autonome», was ja sogar positiv tönt.

Fallen auf einer Demonstration unerwünschte Worte, dann sind es «Stammtischparolen», dann demonstrierte der «rechte Mob», oder das «Pack». «Linke Demonstranten» sind dagegen höchstens «kritische Bürger» oder «aufgebrachte Bürger». Und wenn der schwarze Block einen Stand der SVP stürmt, Rauchpetarden zündet, eine Frau im Gesicht verletzt und nur mit massivem Polizeiaufgebot daran gehindert werden kann, Leute umzubringen, dann nennt der «Blick» das «SVP-Krawall», damit klar wird, wer für die Gewalt verantwortlich ist. Nämlich die SVP mit ihren «Hetzkampagnen».


Kommt dem einen oder anderen sicher bekannt vor, z.B. aus dem besten Deutschland von heute, manchem noch aus Ostdeutschland und den Lesern von Victor Klemperers LTI, das ich als Abiturient in der Ostausgabe schon gelesen habe.

Da versteht man spontan das neudeutsche Polit–Bullshit–Bingo.

Brexit alternativ

Wenn alle einer Meinung sind, werde ich misstrauisch. Zum Brexit kann ich fragen, wen ich will, alle erzählen mir, was sie aus den Medien gehört, gelesen oder gesehen haben.

Höhepunkt war die Aussage eines politisch nicht völlig unbewanderten Sportfreundes, sein Sohn könne jetzt nicht mehr nach Großbritannien zum Arbeiten umziehen, weil er als Ausländer nicht wisse, was da auf ihn zukommt.

Dann lassen wir uns das einfach mal von zwei deutschen Politikwissenschaftlern erklären, die schon ein paar Jahre auf der Insel leben und arbeiten. Im Übrigen ist diese Webseite auch sonst eine Leseempfehlung.

Bestechung

Abends beim Sport in der Umkleide wird über irgendeinen Fussballfunktionär diskutiert, der wegen Bestechung zurückgetreten ist. Schlimmschlimm, Fußball halt… und „die kriegen den Hals nicht voll.“ Irgendjemand wirft dann in die Runde: „Im Prinzip ist doch jeder bestechlich, es kommt nur auf den Preis an.“
Jetzt wird die Diskussion spannend. Einige können sich schnell auf zwei Millionen einigen, „mit denen man sich keinen Kopf zu machen braucht.“ (Der Bestechende hat den Bestochenen zwar in der Hand, aber das spielt jetzt keine Rolle.)
Andere haben deutliche Bauchschmerzen. Ein Freund, der seit Jahren selbständig ist und viel allein arbeitet, wirft dann halb im Selbstgespräch, halb als Beitrag in die Runde:

„Mit einem guten Gewissen morgens in den Spiegel zu sehen, ist aber auch ein gutes Stück Lebensqualität.“

Klimazaubereien

Klimagrete ist derzeit hipp, aber ein paar Fragen dazu habe ich schon – und jeder, der rudimentäre Kenntnisse der Geschichte hat, sollte die eigentlich auch haben.

Politiker mögen den Gedanken nicht, dass wir Menschen den größten Teil des Klimageschehens nicht beeinflussen können.“

Instrumentalisierte Wissenschaft ist keine, sondern Ideologie.

Einsichten der Konservativen

„Kirk Russel hat einst geschrieben, eine der wichtigsten Einsichten der Konservativen sei, daß alle Ideologien falsch sind. Ideologen nehmen ein erdachtes System, ein Produkt von einem oder mehreren Philosophen, und behaupten „Dieses System muß wahr sein.“ Unvermeidlicherweise widerlegt die Realität nun dieses System, gewöhnlich in einer wachsenden Anzahl von Punkten. Aber Ideologien, das liegt in ihrer Natur, passen sich nicht an die Realität an; denn wenn sie das täten, dann würden sie sich selbst abschaffen.

Aus diesem Grund muß die Realität unterdrückt werden. Wenn Ideologen Macht haben, dann nutzen sie diese Macht, die Unterdrückung durchzuführen. Sie verbieten, daß über bestimmte Tatsachen geschrieben oder gesprochen wird. Das Ziel ist nicht nur, das Ausdrücken von Gedanken zu verbieten, die dem entgegenlauten, „was wahr sein muß“, sondern sogar das Denken solcher Gedanken. Am Ende stehen unausweichlich Konzentrationslager, Gulags und Gräber.“

– William S. Lind,

Leiter Zentrum für kulturellen Konservativismus

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