Das „etwas andere“ Pilzbuch

Pilze sind allgegenwärtig – in uns, um uns – aber für unsere Augen meist unsichtbar. „Sie fressen Gestein, produzieren Erde, verdauen Umweltgifte, ernähren und töten Pflanzen, überleben im Weltraum, erzeugen Visionen, produzieren Nahrung, stellen Medikamente her, manipulieren das Verhalten von Tieren und haben Einfluss auf die Zusammensetzung der Erdatmosphäre.“ (S.13) Merlin Sheldrake gibt in seiner Einleitung den Parcours durch sein Forschungsgebiet vor und das ist immer doppelt spannend zu lesen.

Zum einen lernt man viel über Pilze: von Trüffeln, Flechten, Zauberpilzen, Mykorrhiza-Pilzen, Zombie-Pilze, die Ameisen befallen, Heimzucht von Pilzen, die auch auf Zigarettenkippen wachsen und natürlich über Hefepilze. Pilze sind Meister der Anpassung an die unwirtlichsten Umweltbedingungen und sie verstoffwechseln so ziemlich alles, was ihr Mycel erreichen kann. Selbst in den strahlenden Atomreaktoren von Tschernobyl haben sich Pilze angesiedelt, die sich von Radioaktivität ernähren. Das ist schon spannend und unterhaltsam zu lesen. Zum anderen analysiert Sheldrake von den konkreten Phänomenen ausgehend, wie Pilze unsere philosophischen Kategorien und Vorstellungen durcheinanderbringen, zuweilen auch auflösen. Das ist Wissenschaftsphilosophie ganz lebendig, praxisnah und offen. Wenn er sich durch den Dschungel gräbt, um das Mycel eines Pilzes zu verfolgen und scheitert, weil Pilze keine klar definierbaren Grenzen haben, dann kommen basale Vorstellungen unseres Weltbildes wie der Identitätsbegriff ins Wanken. Was genau untersucht man dann eigentlich im Labor unter kontrollierbaren Bedingungen und ist es das gleiche wie das „Wood Wide Web“? Sheldrake hat mit vielen Forschern gesprochen und diese fachlichen und wissenschaftstheoretischen Diskussionen sind intellektueller Goldstaub. Das Tier- und Pflanzenreich sind vergleichsweise gut erforscht, Pilze, die daneben ein eigenes Organismenreich bilden, sind dagegen noch für Pioniere und Freigeister offen. Allein eine geeignete Metapher für das Leben von Pilzen zu finden, liest sich wie eine philosophische Meditation. Wir müssen Metaphern nutzen, um etwas zu verstehen, präfigurieren damit aber schon, was wir sehen können (und was wir dann notwendig ausblenden). Diese Denkbilder nehmen wir gerne aus der uns bekannten Natur oder der Technik. Aber von einem Netzwerk zu sprechen, blendet genauso viel aus wie von Symbiose zu reden. Sheldrake schafft es, diese Ungewissheit sachlich zu diskutieren, aber erst einmal so bestehen zu lassen, um den Blick für die Phänomene offen zu halten. Wer oder was denkt da z.B., wenn Pilze Probleme bei der Futtersuche lösen und offenbar Entscheidungen treffen können, obwohl sie biologisch nichts einem Nervensystem Vergleichbares aufweisen. Sind diese „hirnlosen Entscheidungen“ trotzdem Denken oder denken wir unser Denken einfach nur sehr eingeschränkt? Und wie ist das mit dem Übergang von Natur zur Kultur durch den Menschen? Termiten kultivieren in ihren Bauten sehr ausgeklügelt Pilze und haben den Schritt zur Kultur nach unserer Definition schon einige Millionen Jahre vor der Menschheit vollzogen.

Wenn man über Pilze nachdenkt, beginnt die Welt anders auszusehen, das vertraute Weltbild wird durcheinandergewirbelt und wir lernen wieder angesichts der Vielfältigkeit des Lebens zu staunen.

Sheldrakes Parcour querfeldein durch die unbekannte Welt der Pilze mit Mikroskop, Grabschaufel, Laborausrüstung, Trüffelhund, Selbstversuch, Evolutions- und Wissenschaftstheorie bietet zwar keine griffigen Antworten auf alles, regt aber auf jeden Fall zum selbst-Denken an. Schön, dass es noch solche wachen und auch etwas exzentrischen Forscher gibt, die auf die Idee kommen, das eigene Buch mit Austernpilzen zu besiedeln und dann zu essen und ein anderes Exemplar zu Bier zu vergären und zu trinken. Da haben seine Eltern etwas richtig gemacht.

Merlin Sheldrake: Verwobenes Leben. Wie Pilze unsere Welt formen und unsere Zukunft beeinflussen
Berlin (Ullstein) 2020
ISBN 978-3-550-20110-3

Erich von Däniken: Alles Evolution – oder was?: Argumente für ein radikales Umdenken

Die Natur ist ein Wunder. Ist das alles Ergebnis der Evolution oder hatte etwas Unbekanntes einen Plan? Als ich in diesem Sommer unter einer blühenden Linde stand und der ganze Baum von Bienen zu summen schien, stellte ich mir unwillkürlich die Frage, wo hoch wohl die Wahrscheinlichkeit sein mag, dass diese Symbiose zwischen Arten verschiedener Zweige der Evolution so perfekt zusammenspielt. In seinem neuen Buch hat Erich von Däniken, mittlerweile 85 Jahre alt, viele solcher Beispiele aus dem Tierreich zusammengetragen, wie passgenau und komplex „die Natur“ in der Evolution vorgeht. Parasiten wie bestimmte Wespen zum Beispiel, missbrauchen viel größere Spinnen und Käfer als Brutstätte für ihren Nachwuchs. Weiter geht es über Zugvögel, Kraken und den Blob, eine intelligenten und lernfähigen Einzeller.

EvD stellt Fragen wie ein Kind und bringt damit die Erwachsenen, in diesem Fall die Evolutionstheoretiker, in Erklärungsnöte.

Aber in welchem Umfeld entstand die Evolutionstheorie? Die Ablehnung des biblischen Schöpfungsglaubens war in der aufgeklärten Welt mehr oder weniger Konsens und so wurde die Evolutionstheorie schnell, totz vieler ungelöster Fragen, angenommen. Die Fragen wurden durch die Forschung allerdings nicht weniger, so dass Anpassungen und Weiterentwicklungen der ursprüngliche Evolutionstheorie nötig wurden, die EvD sehr übersichtlich erläutert.

Makroevolution und Mikroevolution innerhalb einer Art wurden als Begriffe schon 1927 eingeführt. Mit der Entdeckung und Erforschung der DNS wuchs die Anzahl und die Größe der Probleme. Wie ging die molekulare Evolution irgendeines realen komplexen biochemischen Systemes vonstatten? Blutgerinnung oder das Sehen sind gute Beispiele solcher Biosysteme, die beim Fehlen nur eines Faktors nicht mehr funktionieren. 

Daraus hat sich in der Wissenschaft ein Streit entwickelt, der mit harten Bandagen ausgetragen wird und in dem nicht mehr der Erkenntisfortschritt im Mittelpunkt steht.

In der Evolutionstheorie wird erstaunlich oft argumentiert, ein Lebewesen habe bestimmte Eigenschaften entwickelt, weil es das in seiner Umwelt benötigt. Ein Wesen entwickelt sich also quasi auf das Ziel der bestmöglichen Angepasstheit hin. Das ist aber keine Kausalität, sondern Teleologie.

Angenommen, ein Mensch, der noch nie von einer Uhr gehört hat, findet eine solche auf einer Wiese. Nie käme er nach kurzer Untersuchung zu dem Schluss, die Uhr sei von selbst entstanden.

Müssen wir also doch eine Art von „Intelligent Design“ annehmen? Das muss ja nicht Gott im metaphysischen Sinne sein, dessen Identität prinzipiell nicht fassbar und dessen Vorgehensweise auch nicht beschreibbar ist. Es könnte auch etwas anderes sein und Sie dürfen bei EvD nur einmal raten. Schädel von Ausserirdischen, Alien-Implantate und UFO-Sichtungen durch das Militär können als gesichert gelten.

Däniken erzählt eine fiktive Geschichte, was unsere „Brüder aus den All“ zur Entstehung des Lebens durch den „Geist der Schöpfung“ sagen würden. Ganz weit daneben liegt er damit wahrscheinlich nicht, zumindest sollten wir den Gedanken in Erwägung ziehen, dass unsere Welt nie ein geschlossenes System war und ist. Vielleicht ist „intelligent Design“ die Botschaft fremder Gene in uns.

Aber für die moderne Wissenschaft kann meist nicht sein, was nicht sein darf und wir betrachten unsere Lebensspanne als Mass der Dinge. Cremo und Thompson hatten in ihrer Untersuchung ungewöhnlicher archäologischer Funde, die EvD ausführlich kommentiert, schon festgehalten: „Diese Denkweise bringt selbstzufriedene Wissenschaftler, aber eine lausige Wissenschaft hervor.“

Im letzten Kapitel fragt EvD dann provokativ, wo eigentlich die Fossilien sind, die sich im Laufe der Jahrtausende angesammelt haben müssten. Wir müssten doch überall alte Knochen finden, es sei denn, sie haben sich im Wasser aufgelöst. Alte Überlieferungen erzählen übereinstimmend von einer großen Flutkatastrophe, sei es die Geschichte von Noah, die Sagen der Chaldäer aus Mesopotamien oder der Gilgamesch-Epos.

Man könnte gut meinen, Fragen zu stellen hält geistig fit, wenn man Dänikens Buch liest. Zum Glück werden selbst in unseren verdunkelten Zeiten die Ketzer nicht mehr verbrannt, EvD hätte gute Chancen dafür.

Hoffentlich wird bei der nächsten wissenschaftlichen Revision nicht das Kind mit dem Bade ausgeschüttet, denn Darwin hat auch wichtige Erkenntnisse hinterlassen.

Widerstand ist eine staatsbürgerschaftliche Haltung

„…Der Fehler steckt schon im Ansatz. Das Denkmodell: hier Rechtsstaat – dort Tyrannis ist falsch, zumindest eine unzulässige Vereinfachung. Die Grenzen zwischen Rechtsstaat und Unrechtsstaat sind fließend. Es gibt keinen Staat, der der Gefahr einer Perversion zum Unrechtsstaat entrückt wäre. Die Perversion beginnt bereits da, wo man das Recht und den Rechtsstaat als etwas Gegebenes ansieht, das man hat, als einen Zustand, den es zu erhalten gilt, als ein erreichtes Ziel, an dem man sich ausruhen kann. Die Folge dieser Denkweise ist notwendig eine Versteinerung, Erstarrung und damit Entfremdung des Rechts, denn nur dann kann Recht wirklich Recht bleiben, wenn es am Leben erhalten, d.h. unablässig neu gestaltet und fortgebildet wird. Leben ist nicht Zustand, sondern Prozeß.

Erst von hier aus erschließt sich auch das Wesen des Widerstandsrechts. Es ist nicht – zumindest nicht primär – das letzte Mittel gegen einen bereits völlig pervertierten Staat, seine erste Funktion ist vielmehr, schon den Anfängen der Perversion zu wehren. Der beharrliche Wider-stand gegen den bestehenden Zu-stand ist notwendig, damit Recht und Rechtsstaat immer und immer wieder regeneriert werden, so daß es zu einer solchen Ausnahmesituation gar nicht erst kommt, in der dem Unrecht allenfalls noch mittels Gewalt begegnet werden kann. So verstanden, ist der Widerstand ein Wesenselement des Rechts, gleichsam sein dynamisches Element und als solches einer gesetzlichen Fixierung naturgemäß entzogen.

Widerstand in diesem Sinne ist keine Sache der Gewalt, und sollte Gewalt tatsächlich einmal nicht zu vermeiden sein, so ist sie doch keinesfalls ein Essentiale des Widerstandsrechts. Widerstand ist eine Sache des Geistes, eine staatsbürgerliche Haltung in vielfacher Schattierung: Mißtrauen gegenüber den Mächtigen, Mut zu offener Kritik, Neinsagen zum Unrecht, auch und gerade wenn es „von oben“ kommt oder die „herrschende Meinung“ ist, Weigerung, einem als verwerflich erkannten Ziel zu dienen, Kundmachung widerrechtlicher geheimer Staatsaktionen – der Möglichkeit sind Legion.

Widerstand ist eine Absage an jene Haltung, die hierzulande als eine hochgeschätzte Tugend sogar sprichwörtlich geworden ist: „Ruhe ist die erste Bürgerpflicht“ – „Gehorsam ist des Christen Schmuck“.

Man fasse das aber nicht als eine Aufforderung zu Krawall und Revolte auf. Es geht um etwas ganz anderes: um die geistige Unruhe, das cor inquietum, und um überlegtes, eigenverantwortliches Handeln…“

Prof. Dr. iur. Arthur Kaufmann, Widerstandsrecht, 1972, S. XII/XIII

Telegram ist das neue Westfernsehen

Telegram wird offenbar durch die ÖR und MSM mit allerlei abwertenden Worthülsen und peinlicher Propaganda beworben bzw. wird natürlich davor gewarnt.

Erstaunlich ist auf jeden Fall, dass seit März diesen Jahres Telegram durch eine Vielzahl von Kanälen zu einem eigenen Medium geworden ist. Soziale Netzwerke, Webseiten, Blogs, YouTube, Twitter – alles hat sich ausgelagert bzw. läuft dort zensurfrei parallel. Es ist eine eigene Medienlandschaft entstanden und täglich kommen neue Kanäle hinzu. Ja, es gibt auch dort einigen Unfug, ungeprüfte Meldungen und Spekulationen, es gibt aber auch häufig Korrekturen, Klarstellungen und konkrete Informationen aus erster Hand von denjenigen, die vor Ort sind. Das kommt in die Nähe von Bürgerjournalismus und ist damit eine ernsthafte Bedrohung für die Haltungsjournalisten.

Markus Krall: Verzockte Freiheit

Wie die Hybris unserer Eliten die Zukunft unseres Kontinents verspielt

Wer nicht nur Staatsmedien konsumiert, sondern seine Informationen selbst sucht, der hat den Namen Markus Krall wahrscheinlich schon einmal gehört. Zunächst nur als interner Kenner der Finanzbranche, in der letzten Zeit aber auch als starke Stimme für Marktwirtschaft und Freiheit hat sich Krall einen Namen gemacht.

In „Verzockte Freiheit“, das in der Erstauflage schon 2014 erschienen ist, analysiert er die Finanz-, Banken- und Eurokrise von 2008. Als langjähriger Berater der Finanzindustrie im Bereich Risikomanagement, weiß er, wovon er spricht und kann die Handlungsmotive von Politik, Banken, Ratingagenturen und Derivatehändlern nachvollziehbar erklären. Er klopft die Interessen und Ziele – vom Erhalt des eigenen Ansehens, über Profilierung bis hin zu Gewinnmaximierung und manchmal auch blanker Gier – aller Marktteilnehmer ab. Das ist ein Lehrstück, wie menschliche Schwächen und systemische Abhängigkeiten zu Dysbalance und irgendwann zur Katastrophe führen. Wer sich für Risikomanagement, Ökonomie allgemein und/ oder Soziologie interessiert, der wird mit Sicherheit mehr als ein Aha-Erlebnis haben. Ist das freie Spiel der Marktkräfte die Lösung oder das Eingreifen des Staates und der Politik? Auch diese Frage wird am konkreten Beispiel analysiert und der Untertitel des Buches gibt schon einen Vorgeschmack auf seine Ergebnisse.

Kralls Lösungsansätze für die im Grunde ja immer noch nicht beigelegte Finanzkrise in Europa hat mich etwas ratlos zurückgelassen. Über die unterschiedlichen währungspolitischen Ausrichtungen der Nordländer und des Club Mediterrane ist viel diskutiert worden. Es sind zwei grundlegend verschiedene Konzeptionen, die in einem Währungsraum nicht kompatibel sind. Wie er sie aber dennoch unter einen Hut bringen will, hat sich mir nicht wirklich erschlossen.

Angenommen, Ehepartner leihen sich untereinander Geld. Unproblematisch ist das genau solange, bis es zu einer Scheidung kommt. Die Target 2 Salden könnten im Fall eines Auseinanderbrechens des Euros zu genau dieser Situation führen, dass Deutschland auf den gesammelten Schulden sitzen bleibt, die es im schlechtesten Fall in den Abgrund reißen. Das bietet eine Menge Verhandlungs-(Droh- und Erpressungs-) Potenzial für alle Länder, die das wissen, und ein Geheimnis ist es wirklich nicht. Deutschland hat ökonomisch voll auf die EU gewettet und niemanden müssen die Durchhalteparolen der Kanzlerin wundern – sie hat gar keine andere Wahl.

Es ist derzeit einfach noch preiswerter, die EU zu retten als sie untergehen zu lassen, das macht Markus Krall klar. Seine Argumente für die EU erinnern vielleicht auch deshalb mehr an eine PR-Aktion aus Brüssel als an tiefe innere Überzeugung.

Gewünscht hätte ich mir sechs Jahre nach der Erstauflage wenigstens ein Nachwort, in dem Markus Krall seine heutige Sicht auf die seitdem nicht wirklich verbesserte Lage an den Finanzmärkten hätte darlegen können. Das werden sie aber selbst im Weltnetz und auf youtube finden.

Ab in die Küche!

Franz Keller ist ein sogenannter „Starkoch“, der schon vor Jahren aus dem Wettbewerb um die meisten Sterne ausgestiegen ist. Heute betreibt er seinen eigenen Landgasthof mit angeschlossener Landwirtschaft, wo er Schweine und Rinder hält. Wer sich der Urproduktion und damit den Wurzeln der menschlichen Produktion nähert, wird erfahrungsgemäß von der modernen, bunten und lauten Welt mit ihren Theorien, Konzepten und Ideologien entfremdet. Es fühlt sich für viele eher wie eine Heimkehr an und für Franz Keller ist die Küche schlicht Heimat, Kochen und Essen eine entscheidende Lebensgrundlage. Gerät sie in Gefahr, muss Alarm geschlagen werden.

Grund genug gibt es: In der Ernährungs- und Agrarindustrie läuft mehr falsch als richtig, mit unserem Ressourcenverbrauch zerstören wir die Umwelt, mit unserem industriellen Billigfutter unsere Gesundheit.

Für den selbständig denkenden Menschen ist das nichts wirklich Neues. Franz Keller hat ein paar Fakten zusammengetragen, die allerdings für Unruhe sorgen sollten. Deutschland ist z.B. ein bedeutender Schweinefleisch-Exporteur, die anfallende Gülle bleibt aber hier und kontaminiert mit Nitraten erheblich unser Grundwasser. Das könnte man doch politisch über Subventionen steuern, meinen Sie? Der größte Posten im EU-Haushalt ist mit 55 Mrd. € jährlich die Subvention der Agrarindustrie und eben nicht der Landwirtschaft, die lokal, regional und saisonal arbeitet – von bio oder nachhaltig reden wir nicht. Zu einer der häufigsten Todesursachen ist mittlerweile falsche Ernährung geworden. Die Hälfte der Deutschen über 18 gilt als übergewichtig, 16% sind adipös. 1874 konsumierte der Durchschnittsbürger in Deutschland noch 6,2 kg Zucker pro Kopf und Jahr, heute sind es 35 kg Zucker, also fast 100 Gramm täglich.

Auch die Gastronomie hat ein Problem. Wer will heute schon abends und am Wochenende für einen Niedriglohn arbeiten? Da ist sehr viel Berufung nötig und die Convinience-Küche kommt den Gastronomen gerade recht – auspacken, warm machen, servieren. Convinience heißt übersetzt Bequemlichkeit und ist wahrscheinlich ein unterschätztes Grundproblem unserer faulen Zivilisation, die sich zu weit von ihren Wurzeln entfernt hat.

Angeblich kochen 40% der Deutschen täglich selbst, knapp ein Viertel kocht selten oder nie, der Rest steht zwei- bis dreimal pro Woche in der Küche. Aber woher soll man denn auch die Zeit nehmen, selbst zu kochen? 10,5 Stunden pro Tag verbringen wir durchschnittlich vor audiovisuellen Medien. Frage beantwortet.

Aber Franz Keller ist Koch und weder Ernährungswissenschaftler noch Umweltschützer, kein Linker oder Grüner, sondern in erster Linie ein bodenständiger Küchen-Aufklärer: „Selbst kochen heißt, die Verantwortung für das eigene Leben in die Hand zu nehmen.“ Und „wir sollten weder das Kochen noch das Denken anderen überlassen.

Also „Ab in die Küche“. Der zweite Teil wird dann praktisch und Keller mit 50 Jahren Küchenerfahrung weiß, worüber er spricht. Vom Einfachen das Beste ist seine Devise. Was brauche ich in der Küche und was nicht, welches Werkzeug ist sinnvoll, was sollte im Kühlschrank sein, wie organisiere ich die Abläufe, um Freiheit in der Genuss-Werkstatt zu haben und mich auf das Kochen konzentrieren zu können. Rezepte gibt er auch ein paar, aber eher als Anregung, seinen eigenen Freistil zu entwickeln. Und das Beste dabei – es klappt und macht die Arbeit wirklich leichter und das Essen schmeckt wirklich besser. Verwerte alles was geht, koche nicht mit Wasser und denke in Folgegerichten. Dieses Buch hat tatsächlich mein Leben verändert und gerne schließe ich mich Franz Keller an „mit Genuss den Planeten zu retten!“ Weitere Informationen auf ihrem Weg in die kulinarische Selbständigkeit finden sie unter falkenhof-franzkeller.de.

Dänikens Die Bekenntnisse des Ägyptologen Adel H.

Wer Erich von Däniken mag, wird das Buch sowieso lesen, wer ihn nicht mag, den wird auch dieses Buch nur in seiner Meinung bestärken, dass er nur Unfug schreibt und akademische Wissenschaftler das alles völlig anders sehen – wenn er denn überhaupt gelesen wird. EvD polarisiert, aber warum eigentlich?
Wer den Ursprung der Menschen mit Bewußtheit in einem Eingriff außerirdischer „Götter“ sieht, macht sich weder bei den monotheistischen Buchreligionen mit einem transzendenten Schöpfergott noch bei den „fortschrittlichen“ Natur- und Geschichtswissenschaften mit ihrem Evolutionsglauben Freunde. Zwischen diesen Stühlen macht es sich EvD bequem und entwickelt seine Thesen in seiner typischen Kombination aus eigener Feldforschung, breiter Belesenheit, des Gegen-den Strich-Lesens von Überlieferungen, Texten und Funden, vorgetragen in einem lebendigen, flüssigen Stil und gewürzt mit selbst erlebten Anekdoten. Das kann er, der im kommenden Jahr 85 Jahre alt wird, immer noch.
Sein neues Buch berichtet von den über mehrere Jahre geführten Gesprächen mit dem ägyptischen Reiseführer Adel H., Aus einer Familie stammend, die sich ihren Unterhalt auch mit Grabräuberei verdiente, studierte er in Wien Ägyptologie und war dann auch für die Reisegruppen Dänikens Führer durch die ägyptischen Altertümer. Gerade einmal geschätzt zwanzig Prozent sind bisher entdeckt, vieles liegt noch verborgen unter dem Sand der Wüste. Versiegelte Bibliotheken zum Beispiel, auf die Adel H. einen Blick werfen konnte. Bedenkt man noch, wie viele der großen Bibliotheken des Altertums in Brand gesteckt wurden, kommt schon etwas Melancholie auf und direkt danach erfasst einen eine tiefe Skepsis gegenüber der gesamten Geschichtsschreibung. Natürlich schreibt der Sieger die Geschichte und entscheidend ist nicht, was geschah, sondern was berichtet wurde… EvD listet diese Vernichtungen auf, allerdings auch nur die, über die berichtet wurde. Heute gibt es weltweit mindestens 16 Bibliotheken in Bunkern für die Nachwelt, falls es einen Totalausfall der Zivilisation gibt. In vielen Tausend Jahren stehen dann Menschen oder Außerirdische z.B. im Barbarastollen bei Freiburg und versuchen die Mikrofilme, auf denen die deutsche Geschichte in der heutigen Version gespeichert wurde, zu lesen – ein seltsamer Gedanke.
Weiter geht es mit den Geschichten um das Labyrinth des Minotaurus auf Kreta und das zehnmal größere Labyrinth bei der Stadt der Krokodile in Ägypten, das verschiedene antike Historiker noch mit eigenen Augen gesehen und bestaunt haben. Wurde es wirklich vom deutschen Ägyptologen Lepsius gefunden? Däniken hat starke Zweifel und gute Argumente, dass wir doch weiter suchen müssen.
Im Zentrum des Buches steht aber die Geschichte von Adel H., die er mit 16 im Jahr 1944 erlebte. Beim Versuch, ein Grab bei der Pyramide von Sakkara zu öffnen, wurde er verschüttet und konnte durch unterirdische Gänge irgendwann einen Ausgang finden. Die Geschichte klingt wie aus 1001 Nacht oder einem Fantasy-Roman, auf jeden Fall unglaublich. Falls sie wahr sein sollte, und EvD ist von der Glaubwürdigkeit seines ägyptischen Freundes überzeugt, stehen einige Fragen im Raum, auf die ich wirklich gerne Antworten hätte.
Über alte Seekarten von Piri Reis macht EvD dann einen Schwenk in die Gegenwart, in der sich langsam eine Offenlegung zumindest des UFO-Phänomens ankündigt. Bei den Berichten von Linda Moulton Howe über geheime Antarktis-Stationen, auf denen Menschen und Außerirdische zusammenarbeiten, steigt dann aber selbst EvD aus und bekennt sich als Skeptiker.
Man muss nicht allen seinen Theorien folgen, aber EvD regt zum eigenen Nachdenken an. Die Annahme eines Eingriffs einer anderen, „außerweltlichen“ Macht in die kulturelle und vielleicht auch genetische Entwicklung des Menschen legt ein anderes Fundament für die Weltsicht und sicher können wir uns noch auf einige Überraschungen einstellen und auf ein, zwei Revolutionen in der Geschichtsschreibung.

Swiss Propaganda Research

Wer weitgehend massenmedienabstinent wie ich lebt, reibt sich beim gelegentlichen Lesen der bald zertifizierten Qualitätsmedien schon mal die Augen bis zum Bluten. Der Kampf um die Köpfe wird in der Militärtheorie wahrscheinlich unterschätzt. Nein, das ist natürlich Unfug. Ganz sicher wird er aber in den Geschichts- und Sozialwissenschaften unterschätzt. Auf jeden Fall ist die Trefferliste für „Propagandaschlachten“ recht dünn und die Hälfte bezieht sich auf die ewigen 1000 Jahre.
Letztens bekam ich den Hinweis auf eine spannende Webseite aus der Schweiz. Swiss Propaganda Research ist ein Forschungs- und Informations­­projekt zu geo­po­li­tischer Pro­pa­ganda in Schweizer Medien. Auch der deutsche Leser findet hier jede Menge Stoff und zwei Publikationen möchte ich dem Leser besonders ans Herz legen:

  1. Der Propaganda-Schlüssel benennt über zwei Dutzend mediale Manipulationstechniken sowie die zehn häufigsten Botschaften der Kriegspropaganda.
  2. Die Propaganda-Matrix beschreibt und analysiert das Netzwerk des amerikanischen Council on Foreign Relations (CFR) und wie das Netzwerk des Councils einen in sich weit­ge­hend geschlossenen, trans­atlantischen Informations­­kreislauf schuf, in dem nahezu alle relevanten Quellen und Bezugs­punkte von Mitgliedern des CFR und seiner Partner­­organisationen kontrolliert werden.
    Auf diese Weise entstand eine historisch einzigartige Informations­­matrix, die klassischer Regierungs­propaganda autoritärer Staaten deutlich überlegen ist, indes durch den Erfolg unabhängiger Medien zunehmend an Wirksamkeit verliert.

Witze 2019

Ich erinnere mich gut: in meiner Jugend wurden bei jeder Gelegenheit Witze erzählt. Da ich in der DDR groß geworden bin war klar, daß in manchen Runden allzu politische Witze besser ausgelassen wurden oder man sich auf die harmlosen beschränkte. Das war manchmal nervig, aber Alltag, mit dem man sich abfinden mußte. Irgendjemand konnte immer mithören und es weitertragen, bis es an der falschen Stelle landete. Bisher habe ich aber von noch niemandem gehört oder gelesen, der in seiner Personal- oder Stasiakte einen Hinweis gefunden hätte, daß er politische Witze erzählt hat.

Heute hat sich die Meinungspolizei in den Köpfen eingenistet und Witzischkeit kennt sehr wohl Grenzen. Da bin ich jetzt mal für open borders!