Witze 2019

Ich erinnere mich gut: in meiner Jugend wurden bei jeder Gelegenheit Witze erzählt. Da ich in der DDR groß geworden bin war klar, daß in manchen Runden allzu politische Witze besser ausgelassen wurden oder man sich auf die harmlosen beschränkte. Das war manchmal nervig, aber Alltag, mit dem man sich abfinden mußte. Irgendjemand konnte immer mithören und es weitertragen, bis es an der falschen Stelle landete. Bisher habe ich aber von noch niemandem gehört oder gelesen, der in seiner Personal- oder Stasiakte einen Hinweis gefunden hätte, daß er politische Witze erzählt hat.

Heute hat sich die Meinungspolizei in den Köpfen eingenistet und Witzischkeit kennt sehr wohl Grenzen. Da bin ich jetzt mal für open borders!

Testosteron im Sinkflug

Die moderne Zivilisation hat einige „Begleiterscheinungen“, die den weiteren Verfall unserer Zivilisation beschleunigen werden.
Zum Glück gibt es ein paar einfache Maßnahmen, um als Mann seinen Testosteron-Spiegel zu erhalten – Lesetipp (nicht nur) für Männer.

Wiederentdeckung der Spiritualität

Rupert Sheldrake hat sich schon in jungen Jahren mit seiner Hypothese von der morphischen Resonanz als einem Form- und Verhaltensgedächtnis der Natur seinen Ruf in der etablierten Wissenschaft ruiniert. Gab es anfangs noch renommierte Befürworter einer Diskussion seiner Thesen, ist in den Zeiten von Genetik, Biotechnologie und allgemeinem Machbarkeitswahn davon keine Rede mehr. 

Jetzt, gut 35 Jahre später, schreibt er ein Buch über die Wiederentdeckung der Spiritualität und stellt sieben Praktiken mit ihrem Einfluss auf Körper und Psyche vor: Meditation, Dankbarkeit, Mensch und Natur (als In-Kontakt-Sein mit der mehr-als-menschlichen Natur), die Beziehung zu Pflanzen, Rituale und die Präsenz der Vergangenheit, Gesang, Sprechgesang und die Macht der Musik, Pilgerreisen und heilige Stätten. Mit jeweils zwei Übungsvorschlägen wird jedes Kapitel abgerundet. So weit , so mittelprächtig interessant. Wer eine Art Kochbuch für ein spirituelles Leben erwartet, wird enttäuscht werden. Sheldrake ist immer noch ein Sucher, der jenseits der Autobahnen der Wissenschaft unterwegs ist. Mit Mitte siebzig sieht er dieses Buch als den „Ertrag“ seiner langjährigen Reise durch Wissenschaft, Geschichte, Philosophie, Spiritualität, Theologie und Religion sowie seiner Reisen durch die Welt. Dieses Querfeldein-Denken macht die Lektüre dann spannend. Drei Kostproben, um sie neugierig zu machen:

1) In einer Gesellschaft, die auf Tauschhandel basiert, verkümmert die Dankbarkeit und es wächst die Anspruchshaltung. Erst Unglücksfälle verändern die Perspektive und machen uns bewusst, dass nichts so selbstverständlich ist, wie es immer den Anschein haben mag. Von unserem Weltbild hängt es ab, ob wir Dankbarkeit empfinden können oder ob eben alles nur Zufall und Notwendigkeit, Wissenschaft, Technologie und harte Arbeit ist. Mit ein paar gedanklichen Federstrichen macht Sheldrake klar, wie unwahrscheinlich unsere Existenz aus kosmischer Sicht eigentlich ist, was für ein Wunder das Dasein jedes Menschen ist und wie uns Dankbarkeit mit dem Fluss des Lebens verbindet – oder eben auch nicht. 

2) Heute scheinen wissenschaftliche Modelle wichtiger als die lebenden Organismen zu sein, die sie beschreiben. Die lebendige Natur wird durch abstrakte Konzepte ersetzt, die nur im menschlichen Geist und in Computerprogrammen vorkommen. Dennoch sind ganz real an jedem Wochenende viele Menschen aus der Stadt unterwegs in die Natur und folgen damit offenbar einem menschlichen Grundbedürfnis. In diesem Zusammenhang analysiert er historisch verschiedene Weltbilder und ihr Verständnis von Gott, Natur und Evolution. Diese Grundannahmen konfigurieren Wahrnehmung und Verständnis und v.a. unser Verhalten zur Welt. Dagegen ist sein Abstecher zur Frage, ob die Sonne vielleicht auch ein  Bewusstsein hat, fast schon eine Lockerungsübung. 

3) Blütenpflanzen gibt es schon Millionen von Jahren länger als den Menschen und woher kommt eigentlich der Schönheitssinn der Insekten, die sie bestäuben? Schönheit und Fülle sind für die Evolution eigentlich gar nicht notwendig. 

Sheldrake hat sich den Blick für das Lebendige und für die Wunder dieser Welt bewahrt. Im Hintergrund ist dieses Buch eine Auseinandersetzung mit der herrschenden materialistischen Weltanschauung, das eine mehr-als-menschliche Welt nicht anerkennen will und vor allem sich selbst nicht als ein Glaubenssystem zu sehen imstande ist.

Die Wiederentdeckung der Spiritualität. 7 Praktiken im Fokus der Wissenschaft

O.W. Barth Verlag 2018

ISBN: 978-3-426-29288-4

Das Risiko und sein Preis – Skin In The Game

Im Studium habe ich für Philosophiezeitschriften Berichte von Kongressen und Tagungen geschrieben. Abends beim Bier riet mir ein Professor: Wenn sie jemals einen eigenen Gedanken haben sollten, schreiben sie ein Buch drumherum. Das erklärt mir seitdem den „mangelnden Nährwert“ vieler Bücher.

Dieses Problem ist Nassim Nicholas Taleb fremd, das Buch ist beim zweiten Lesen noch genauso spannend wie beim ersten Mal. Das hängt mit der hohen Erkenntnisdichte zusammen und mit Talebs Stil, den Leser auf ein denkerisches Abenteuer mitzunehmen und dabei weder auf Autoritäten noch auf eine akademische Karriere Rücksicht nehmen zu müssen.

Skin in the game handelt von Komplexität und Asymmetrien. Unser Kontakt mit der Realität wird hergestellt, in dem wir unsere Haut aufs Spiel setzen, gewissermaßen einen Preis für die Folgen unseres Handelns zahlen. Taleb entwickelt seine Gedanken aus dem normalen Leben eines Menschen, der selbständig für seinen Lebensunterhalt aufkommt und Verantwortung für sein Handeln trägt. Wirtschaftsprofessoren, Investmentbanker und Politiker gehören nicht dazu, entscheiden aber über das Leben der anderen – und häufig falsch. Deshalb sollten Menschen, die kein persönliches Risiko eingehen, nie mit Entscheidungen betraut werden.

Vier Themen sind es, die Taleb unter dem Oberthema „Seine Haut aufs Spiel setzen“ behandelt: Ungewissheit und Zuverlässigkeit von Wissen (Bullshit-Entlarvung), Symmetrie in zwischenmenschlichen Beziehungen, also Fairness, Gerechtigkeit, Verantwortung, drittens Informationsaustausch bei Transaktionen sowie Rationalität in komplexen Systemen und in der Realität. Das Buch ist sauber gegliedert, es liest sich mit seiner Mischung aus Anekdoten, Exkursen in Politik, Religion, Philosophie, Sprachwissenschaften, Finanzwesen und einigem anderen unterhaltsam und dennoch ist es alles andere als leichte Kost. Es ist Querfeldein-Denken, in dem u.a. Themen behandelt werden wie: Wie kommt es, dass intolerante Minderheiten die Welt regieren und uns ihre Ansichten aufzwingen? Wie zerstört Universalismus die Völker, denen er eigentlich helfen will? Warum sollten Chirurgen nicht wie Chirurgen aussehen? Wie sollte Außenpolitik betrieben werden? Warum breiten sich Gene und Sprachen unterschiedlich aus? Inwiefern geht es bei Rationalität um Überleben und nur darum?

Taleb hat ganz sicher mehr als nur einen eigenen Gedanken gehabt.

«Nehmen gilt als Menschenrecht, das Geben ist bloss für die Doofen»

Die NZZ hat Robert Pogue Harrison interviewt, der als Professor für italienische Literatur in Stanford lehrt und sich auch als Kulturphilosoph einen Namen gemacht hat. Hauptthema: Infantilisierung der Wohlstandsbürger.

Das Kind profitiert von der Fürsorge seiner Eltern, ohne sich dessen bewusst zu sein. Das Tischlein ist immer gedeckt, für Geborgenheit und Wohlergehen ist stets gesorgt, als würde im Hintergrund ein guter Geist wirken. Die Ansprüche wachsen in den Himmel. Aber diesen Geist gibt es nicht. Es gibt bloss die Hand der Menschen, die arbeiten, leisten und liefern. Irgendwann wacht das Kind auf und begreift, dass die menschliche Ordnung kein Naturzustand ist, sondern das Gegenteil davon – das Ergebnis harter, unaufhörlicher Arbeit. Dieses Erwachen, fürchte ich, steht uns noch bevor.

Die Liebe für die grosse weite Welt zieht sich langsam, aber sicher zurück. Was dabei vergessen geht: Die jungen Menschen profitieren heute von der Weltliebe ihrer Vorfahren, sie führen im Durchschnitt ein grossartiges Leben in einer Luxuswelt, die sich durch Prinzipien globaler Gerechtigkeit, wachsender Freiheit und zunehmender Gleichheit auszeichnet. Diese Welt neigt sich dem Ende zu, ein neues Zeitalter steht uns bevor. Wir stecken mitten in einem historischen Umbruch, dessen Konsequenzen wir unmöglich übersehen können. Es ist schon viel gewonnen, wenn wir halbwegs präzise zu beschreiben vermögen, was derzeit genau geschieht.

Die Barbarei ist stets näher, als wir denken.

…und weil es so gut zum Thema passt:

Silicon-Valley-Pionier, Philosoph, Contrarian

In der NZZ habe ich ein lesenswertes Interview gefunden, in der ein exotisches Exemplar einer menschlichen Unterart zu Worte kommt – ein innovativer und erfolgreicher Unternehmesgründer, der zugleich Intellekueller im besten Sinne ist. Peter Thiel hat zusammen mit Elon Musk PayPal gegründet und dann für eine hohe Summe an ebay verkauft. Finanziell unabhängig ist er damit auf jeden Fall, geistig unabhängig zu sein  und gegen den Strom zu denken muss man sich aber nicht nur leisten können, man muss es auch wollen und die Fähigkeit dazu haben. Heute ist er ein (wiederum) erfolgreicher Venture Capitalist und ein Denker, der ernsthaft auf der Höhe der Zeit reflektiert.
Gerade seine Aussagen zu Politik, Wirtschaft und Wachstum sowie zur ökonomischen und geistigen Stagnation fallen aus dem Rahmen.

  • das Silicon Valley: Es gibt da längst viel zu viel Bequemlichkeit und Konformismus.
  • China, Berlin, die Schweiz,
  • Künstliche Intelligenz, virtuelle Realität, selbstfahrende Autos, Besiedelung des Alls: Ganz ehrlich: Das ist mir zu abstrakt, zu sehr Geschwafel. Die PR-Maschinerie des Valley bringt solche Wortkreationen in Umlauf….
  • Biotech und die Überwindung des Todes
  • Internet, Meinungsfreiheit und Privatheit
  • Tragen Internetplattformen überhaupt zur Verbesserung der Lage von Otto Normalverbraucher bei? Taxifahrten oder Übernachtungen werden zwar billiger, dafür verliert der Kunde immer mehr Zeit am PC… : Sie werden sich vielleicht wundern, aber ich stimme Ihnen absolut zu.
  • Ein Merkmal der Spätmoderne besteht in der unaufhaltsamen Arbeitsteilung und Spezialisierung. Sie haben immer kleinere Gruppen von sich selbst kontrollierenden Experten.
  • Ich vertraue dem Common Sense in dieser Frage mehr als der Meinung der Experten. Wenn Sie 100 Leute fragen, ob es ihre Kinder dereinst besser haben als sie, werden 80 antworten: nein, nie im Leben. Und dann wissen Sie, dass etwas nicht stimmen kann an den Zahlen. Das sind ja keine blossen Einbildungen, das ist die Erkenntnis aus täglicher, harter Erfahrung.
  • Trump: Ich bin längst nicht in allem seiner Meinung, aber er benennt Probleme und packt sie an. Und vor allem: Er hat die Meinungsvielfalt spürbar geöffnet, also den Range an öffentlich zulässigen politischen Positionen, Meinungen und Haltungen in allen möglichen Fragen. Das ist ganz klar ein Freiheitsfortschritt.
  • Es ist zu billig, die Politiker für alle Unbill dieser Welt verantwortlich zu machen. Nicht sie sind es, die die Leute gegeneinander aufbringen. Im besten Fall wirken sie als Katalysatoren einer Polarisierung, die bereits im Gang ist. Und diese Polarisierung hat meiner Meinung nach nicht in erster Linie mit dem unterschiedlichen Lifestyle der Bürger zu tun, sondern mit der Ökonomie. Die spaltende Kraft ist die Stagnation. Es gibt viele Amerikaner, die kaum mehr über die Runden kommen. Und sie sehen die anderen, die eine Rente abschöpfen.
  • Kapitalismus, Wirtschaftswachstum und Demokratie: Solange der Kuchen wächst, gibt es mehr für alle, wenn auch für die einen noch mehr als für die anderen. Wenn der Kuchen nicht mehr wächst, ändern sich die Spielregeln: Was die einen mehr bekommen, erhalten die anderen weniger. Diese Entwicklung birgt unheimliches Konfliktpotenzial.
  • Anthropologie: Der Mensch ist das Tier, das sich ständig mit anderen vergleicht.
  • Stagnation: Die Stagnation hat in den 1970er Jahren begonnen. Die Linke vollführte damals einen radikalen Wechsel, ohne sich dessen wirklich bewusst zu sein: Ökonomie wurde durch Kultur verdrängt, es ging nicht mehr um soziale, sondern um kulturelle Unterschiede. Die Linken haben seither jeden ökonomischen Sachverstand eingebüsst, sie sind auf die Stufe von Kindern regrediert.

Brexit alternativ

Wenn alle einer Meinung sind, werde ich misstrauisch. Zum Brexit kann ich fragen, wen ich will, alle erzählen mir, was sie aus den Medien gehört, gelesen oder gesehen haben.

Höhepunkt war die Aussage eines politisch nicht völlig unbewanderten Sportfreundes, sein Sohn könne jetzt nicht mehr nach Großbritannien zum Arbeiten umziehen, weil er als Ausländer nicht wisse, was da auf ihn zukommt.

Dann lassen wir uns das einfach mal von zwei deutschen Politikwissenschaftlern erklären, die schon ein paar Jahre auf der Insel leben und arbeiten. Im Übrigen ist diese Webseite auch sonst eine Leseempfehlung.

Es ist notwendig, dass wir uns selbst kritisieren

Vom 3. bis 6. November 2018 fand in Scharm El-Scheich (Ägypten) das Weltjugendforum statt. Auf einer der Sitzungen stellte sich Ägyptens Präsident Abdel Fattah As-Sisi den Fragen der Teilnehmer. Nachfolgend präsentieren wir (Jüdische Rundschau) seine Antwort auf eine Frage bezüglich der Migration.

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